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Wenn die Tage langsam wieder kürzer werden und sich das Laub rötlich zu färben beginnt, scheinen sich Baum wie Mensch nach der Betriebsamkeit des Sommers gleichermaßen allmählich auf die Ruhe des Winters einzustellen. Das heimische Wild hingegen kann sich in der herbstlichen Idylle vielfach keine Untätigkeit leisten – gilt es doch, sich für die Entbehrungen der kalten Jahreszeit zu wappnen. Manche Arten laufen so kurz vor dem Winter sogar zur körperlichen Höchstform auf und verausgaben sich im Rahmen der Brunft. Was sich so alles an Interessantem in der goldenen Jahreszeit abspielt, erfahren Sie hier.

Vielen wird die folgende Geschichte bekannt vorkommen: Einst saß eine Grille im sommerlichen Feld und zirpte vergnügt vor sich hin. Da sah sie eine Ameise vorbeikommen, die gerade eifrig Nahrung zu ihrem Nest trug. Höchst verwundert fragte die Grille das andere Insekt, wie man denn an einem so schönen Tag arbeiten könne. Die Ameise jedoch ließ sich nicht stören und arbeitete munter weiter. Bald war aber der Sommer zu Ende und nach dem Herbst ließ der Winter nicht lange auf sich warten. Das vorher blühende Land war nun lebensfeindlich und kalt. Die Grille, welche nur in den Tag hineingelebt und nicht vorgesorgt hatte, zog hungernd auf der vergeblichen Suche nach Nahrung herum. Als sie die Ameise traf, erzählte sie dieser von ihrem Schicksal. Die Ameise meinte daraufhin, dass sie und ihre Kameraden genug Vorräte für den Winter angelegt hätten, der Grille aber nichts anderes bliebe, als zu tanzen. Mit dieser Fabel wollte Jean de La Fontaine seinen Zeitgenossen im 17. Jahrhundert den Wert der Vorsorge illustrieren.

Was dem Menschen mitunter erst durch moralische Schriften vermittelt werden muss, zählt für viele Wildtiere zum Grundrepertoire ihrer instinktiven Überlebensstrategie. Dabei existieren grundsätzlich zwei unterschiedliche Wege, sich mit Reserven für die harsche Winterzeit auszustatten.

Die Mehrzahl der heimischen Wildarten verfolgt den direkten Weg und speichert die notwendigen Kalorien in Form von Körperfett. Als absoluter Spezialist auf diesem Gebiet kann das Murmeltier gelten, welches durchschnittlich sechs bis sieben, in Extremfällen sogar bis zu neun Monate im Winterschlaf verbringt. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass diese Hochgebirgsbewohner mehr als die Hälfte ihres Lebens verschlafen. „Marmota marmota“, so der zoologische Name unseres Alpenmurmeltiers, fährt dabei zum Einsparen von Energie seinen Kreislauf von 200 auf 20 Herzschläge pro Minute zurück. Analog dazu wird die Anzahl der Atemzüge auf zwei pro Minute reduziert und der Magen-Darm-Trakt verkleinert sich bis um die Hälfte. Solcherart wird der Kalorienverbrauch auf unter zehn Prozent der Menge in Zeiten der Aktivität gedrosselt. Auf diese Weise kommt das „Mankei“ mit ca. 1.200 Gramm Körperfett durch den Winter. Nach dem Aufwachen aus dem Winterschlaf zeigt sich das Murmeltier zunächst wenig wählerisch hinsichtlich seines Äsungsverhaltens, bei passender Gelegenheit nimmt es sogar Fleisch zu sich. Was schon länger als eine Art Gerücht in Jägerkreisen herumging, fand letztlich in den Zoos von Innsbruck und Nürnberg seine Bestätigung. Diese Erkenntnis hatte jedoch ihren Preis: Im Tiroler Murmeltiergehege fielen zwei flügge gewordene Küken der Alpenkrähe dem Appetit eines Murmeltiers zum Opfer und in Deutschland wurden sogar die Kitze der in derselben Anlage gehaltenen Steinböcke angenagt. Wie ein Bericht aus Italien nahelegt, machen die Langschläfer auch vor Artgenossen, die bei Rangkämpfen zu Tode gekommen sind, nicht halt. Die weitaus meiste Zeit hält sich das Murmel jedoch ausschließlich an pflanzliche Kost. Hierbei werden vor allem spezielle Kräuter wie Alpenwegerich, Tragant, Alpenklee, Labkraut oder Mutterwurz bevorzugt. Gemein ist diesen Gewächsen ihr hoher Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, welche von Säugetieren nicht im eigenen Körper gebildet werden können, jedoch für den Organismus überlebenswichtig sind. Für das Murmeltier haben diese Fettsäuren eine zusätzliche Bedeutung, da sie im weißen Fett eingelagert die Resistenz gegenüber tieferen Körpertemperaturen während des Winterschlafs verstärken. Aufgrund seiner Anpassung an die Kälte – bei Marmota marmota handelt sich immerhin um ein „Überbleibsel“ aus der Eiszeit – kommt das Murmel wenig überraschend nicht besonders gut mit hohen Temperaturen zurecht und ist anfällig für Hitzestress. Da es sich nicht wie etwa Hunde durch Hecheln abzukühlen vermag, ist das Murmeltier in der Sommerhitze manchmal zum Ausrasten in einer seiner Röhren oder auf kalten Steinen gezwungen. Dies reduziert natürlich die zur Verfügung stehende Äsungszeit, was den Herbst mit seinen kühleren Temperaturen umso wichtiger für das Anlegen der entscheidenden Fettvorräte macht. In Sachen Zeitmanagement ist zudem nicht außer Acht zu lassen, dass auch der Schlafkessel mit pflanzlichem Material ausgepolstert und zuletzt der Eingang mit einem bis zu zwei Meter langen Pfropfen verschlossen werden muss, bevor sich Bär, Katz und Co. in die lange Winterruhe begeben können. Besonders angesichts der geschilderten Schwierigkeiten für diese Wildart scheint es wenig verwunderlich, dass die Präsenz des Menschen im Hochgebirge einen erheblichen Störfaktor darstellen kann. Andererseits kann unser Eingreifen aber auch positive Auswirkungen haben. Die Beweidung ihrer Äsungsflächen durch Rinder stellt zum Beispiel einen nicht auf Anhieb zu erkennenden Vorteil für die „Mankei“ dar, da diese das Wachstum und die Vielfalt der wertvollen Futterpflanzen begünstigt. Ein weiterer Grund dafür also, am Kulturgut der traditionellen Almwirtschaft festzuhalten. Das Füttern von Murmeltieren, wie es mancherorts von Touristen praktiziert wird, stellt hingegen eher eine Gefahrenquelle dar. Die Tiere nehmen die zusätzliche Nahrung zwar gerne an, doch allzu häufig landen Kekse oder Schokolade zwischen den Nagern, was einige Krankheiten bis hin zu Diabetes hervorrufen kann. Zu viel Süßes tut eben niemandem gut.

 

Aus naheliegenden Gründen stehen die in unseren Breiten jagdbaren Wildtiere in dieser Zeitschrift im Vordergrund, doch bietet sich hier eine gute Gelegenheit, auch einmal einen kleinen Blick auf die weniger prominenten Bewohner unserer Reviere zu werfen. Das in fast ganz Europa und Sibirien heimische Eurasische Eichhörnchen legt im Gegensatz zu seinen weitschichtigen Verwandten im Hochgebirge konkrete Nahrungsvorräte in Form von Nüssen, Eicheln und Bucheckern an. Diese werden entweder im Boden vergraben oder an passenden Plätzen in der Rinde oder an den Ästen eines Baumes eingeklemmt. Während ihrer Winterruhe wachen die kleinen Waldbewohner regelmäßig auf, um den Kobel zu verlassen und sich an ihren unter Zuhilfenahme des Geruchssinns wiederaufgefundenen Vorräten zu stärken. Bekanntlich finden die flinken Nagetiere nicht jedes ihrer Depots wieder, wodurch die dort versteckten Sämereien austreiben können. Auf diese Weise trägt das Sammelverhalten der Eichhörnchen direkt zur Verjüngung des Waldes bei. Übrigens ist das gerade geschilderte Verhalten fast ausschließlich auf Eichhörnchenbestände in reinen Laub- oder Mischwäldern begrenzt. In hauptsächlich mit Nadelhölzern bewachsenen Regionen tritt ein solches Verhalten in der Regel nicht auf, da den Tieren mit den dort reichlich vorhandenen Zapfen eine ganzjährige Nahrungsquelle zur Verfügung steht.

Ebenso bekannt für ihre Vorratshaltung sind heimische Nager wie Gelbhals-, Feld- oder Waldmaus. Diese Arten legen in ihren Bauen richtige Vorratskammern an und gehen der Gefahr des Vergessens somit aus dem Weg. Und wenn wir schon von Mäusen sprechen: Fledermäuse senken bei ihrem Winterschlaf, welcher in der Zeit gegen Ende Oktober und Anfang November beginnt, ihre Körperwärme auf einen Wert, der nur wenig höher ist als die Umgebungstemperatur. Sie legen anscheinend auch spezielle Fettpolster für die Winterzeit an, welche aber lediglich dazu dienen, genügend Energie für das Erreichen ihrer normalen Körpertemperatur beim Aufwachen zu liefern.

Wer sich nicht vor Fledermäusen, sondern vor Schlangen fürchtet, braucht sich bei seinen Waldgängen ab September/Oktober keine Sorgen mehr zu machen. In dieser Zeit ziehen sich die Reptilien nämlich in ihre Winterquartiere zurück, wo sie sich häufig zu regelrechten Knäueln versammeln.

Während manch anderes Wild im Herbst Fett einspeichert, werden Hirsche bekanntlich in dieser Zeit erst richtig aktiv. In der Brunft werden ordentlich Kalorien verbrannt, gilt es für die Hirsche doch, die Konkurrenz möglichst zu vertreiben und gleichzeitig ein Auge auf die fortpflanzungsfähigen Tiere zu haben. Dabei legen manche Stücke auf der Suche nach dem anderen Geschlecht mitunter wahrhaft stattliche Strecken zurück. Von einem besonderen Hirsch ist sogar belegt, dass er in der Brunft 120 Kilometer gewandert ist. Auch für die Gämsen ist die herbstliche Zeit alles andere als ruhig, immerhin beginnt die Brunft für sie erst im Oktober und kann sich bis in den Dezember hineinstrecken.

 

Wie man sieht, ist der Herbst eine wahrhaft vielfältige Jahreszeit. Während sich etwa Murmeltiere schon auf ihren langen Winterschlaf einstellen und noch ordentlich Fett einspeichern, werden andere Wildarten nun erst so richtig aktiv. Und auch wir Jäger sind naturgemäß alles andere als untätig in dieser speziellen Zeit, der Winter dauert ja dann eh lange genug, auch wenn wir uns keine Fettreserven anessen müssen.

 

Othmar F. C. Hofer

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