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In vielen Revieren zeichnet sich ein ähnliches Bild ab: Auf eine steigende Anzahl von Jagdstunden kommen immer weniger erlegte Stücke. Im steten Wechselspiel zwischen Wild und Jäger kann ein permanenter Jagddruck zwischen Mai und Jänner zu Dauerstress und einer erhöhten Sensibilität beim Wild führen – der Anblick bleibt aus. 
Die Intervalljagd kann dabei eine Strategie sein, um aus diesem Teufelskreis auszubrechen.

Revierarbeiten, die Hege, aber auch die Jagd selbst sind mit einer regelmäßigen Präsenz im Revier verbunden. Dazu kommen können – je nach Region – Erholungssuchende, Wanderer und Forstarbeiter. Eine Auswirkung dieser steten Anwesenheit von Menschen im Wald, die meist auch mit einem erhöhten Jagddruck einhergeht, kann sein, dass das darin lebende Wild noch heimlicher wird, als es oftmals schon ist. Das Rehwild verlagert seine Aktivitäten in die Dämmerungsstunden oder in die Nacht, die Fluchtdistanzen erhöhen sich und das Wild nimmt seine Nahrung kaum mehr außerhalb des Waldes auf. Daran schließt oft auch eine ökologisch ungünstige Konzentration des Wildes an bestimmten Stellen innerhalb des Reviers an, was auch den Verbissdruck merklich steigert. Der Jäger befindet sich nun in einem Dilemma: Er muss auf der einen Seite dafür sorgen, dass diese Wildschäden nicht überhandnehmen, auf der anderen Seite führt eine erhöhte Pirsch- oder Ansitzfrequenz zu noch weniger Anblick. 

 Die Wahl der Jagdstrategie 

 Neben der Jagdart als solche ist es in der jagdlichen und forstlichen Praxis vor allem die Wahl der richtigen – oder besser gesagt, die für die Eigenheiten des Reviers passende Strategie – die über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Die Jagdstrategie gibt Auskunft darüber, mit welcher Intention die verschiedenen Jagdarten (Ansitz-, Pirsch-, Drückjagd usw.) eingesetzt werden. Wie oben skizziert, kann es in einem Revier von Nöten sein, den Jagddruck merklich zu verringern, um Wildschäden entgegenzutreten und die Konzentration des Wildes wieder zu entzerren. Dem gegenüber darf aber auch der Abschussplan nicht ins Hintertreffen geraten, sondern sollte möglichst effizient erfüllt werden. Es muss also eine Strategie gefunden werden, die im Stande ist, all diese Punkte zu vereinen.

 

Kurz und intensiv 
 Die Intervalljagd hat die Voraussetzungen, bei einer solchen Ausgangslage ein probates Mittel zu sein. Im Kern geht es darum, die erhöhte Sensibilität des Wildes gegenüber Menschen wieder zu verringern und wieder eine günstige Wildverteilung sicherzustellen. Dazu wird eine permanente Beunruhigung, wie sie bei der herkömmlichen Ansitzjagd etwa eintreten kann, zu Gunsten kurzer, aber intensiver Jagdintervalle aufgegeben. Nach diesen Intervallen folgen längere Ruhepausen, die sich über eine Dauer von drei bis sechs Wochen erstrecken. Sie haben zum Ziel, dass das Wild wieder vertraut wird und sich günstiger im Revier verteilt. In touristischen Regionen hat diese Jagdstrategie auch den positiven Nebeneffekt, dass das Wild auch auf die Störung durch Freizeitsportler nicht mehr so sensibel reagiert – der Mensch wird allgemein als weniger bedrohlich wahrgenommen. Das Revier muss jedoch über ausreichend Fläche verfügen, sodass die Phasen der Ruhe auch wirklich zu einer merkbaren Beruhigung des Wildes führen. Daneben bietet die Intervalljagd auch den Vorteil, dass der jagdliche Aufwand sich insgesamt minimiert – sowohl in zeitlicher bzw. ökonomischer Hinsicht als auch was die körperlichen und konditionellen Faktoren anbelangt. Ganz zu schweigen von der Demotivation, die sich einstellen kann, wenn man Stunde um Stunde beim Ansitzen verbringt und dabei nur sehr wenig Anblick hat.

Ein Allheilmittel? 

 Die Intervalljagd ist im Stande, der zunehmenden Heimlichkeit des Wildes durchaus effektiv entgegenzusteuern. Wie so oft ist aber auch hier das WIE die entscheidende Frage und eine Vielzahl von Faktoren müssen vom Jäger mitbedacht werden, damit die Umsetzung der Intervalljagd zum Erfolg wird. Dem Festlegen der Intervalle geht eine hervorragende Kenntnis des Reviers voraus. Es gibt also keine goldene Regel, die einfach übernommen werden kann. Ganz grob lässt sich für Rehwild folgende Einteilung treffen: In einem ersten Intervall von etwa vier Wochen (Mai und Juni) schießt man vor allem Schmalrehe und schwache Böcke. Den Juli hindurch herrscht Jagdruhe. Ende Juli bis Anfang August kann man dann in einem Intervall von circa zwei Wochen Böcke bejagen, ehe im September wieder eine Ruhephase eingehalten werden muss.  Im Oktober und November können dann in einem Zeitfenster von etwa vier Wochen Geißen und Kitze gejagt werden. Ab Dezember ist dann wieder ein Ruheintervall vorgesehen. Der Jäger muss hierbei eine Balance finden, damit die Ruhephasen auch wirklich der Erholung der Tiere zugutekommen – sprich, dass keine unnötigen Streifzüge durch das Revier unternommen werden – und dass in den Jagdintervallen die Abschüsse nicht hinausgezögert werden.

So überzeugend die Vorteile der Intervalljagd auch scheinen, sie wird wirkungslos bleiben, wenn einige Dinge bei der Umsetzung nicht beachtet werden. Von großer Bedeutung für ihren Erfolg ist die Kontinuität, mit der sie betrieben werden muss. Wurde diese Strategie erst einmal implementiert, gilt es, konsequent dabei zu bleiben. Durch zu frühes Nachlassen können erste Anzeichen einer Trendumkehr schnell wieder zunichte gemacht werden. Daneben ist auch eine konstruktive Zusammenarbeit und ein reger Austausch mit Forstleuten, Landwirten und in alpinen Gebieten etwa mit der Lawinenverbauung und Vertretern des Tourismus ein Garant für eine erfolgreiche Intervalljagd. Die Intervalljagd ist nach wie vor eine Jagdstrategie, die nur zaghaft Verwendung findet. Jedoch gibt es viele Argumente – von wildbiologischen bis hin zu solchen von ökonomischer Natur – die einen Strategiewechsel hin zur Intervalljagd befürworten.

TEXT: David Mehlhart, Martin Rank 

FOTO: Martin Rank

Im Laufe der Zeit haben sich nicht nur die Jagd selbst, sondern auch die Aufgabengebiete der Jäger verändert. Wald und Wild stehen in einer direkten Wechselbeziehung. Durch die ständig steigende Beunruhigung seitens der Land- und Forstwirtschaft, erholungsuchender Menschen, aber auch durch dauernde Bejagung, wird diese Wechselbeziehung negativ beeinflusst. Auch das Rehwild passt seine Lebensweisen an die äußeren Umstände an. Bei uns waren die daraus resultierenden Folgen: die Verdrängung des Rehwildes in die späte Dämmerung bzw. in die Nachtstunden, Krankheiten und stressbedingte Verbissschäden. 

 Nach vielen Jahren traditioneller Ansitzjagd, stundenlangem Warten und Verzweiflung im Herbst, da kein einziges Reh im Tageslicht auszog, haben auch wir uns entschlossen, die Jagdstrategie auf Intervalljagd zu ändern. Die Jagdzeit auf Rehwild beginnt in unserem Revier in Niederösterreich am 16. April. Für manche erscheint dies etwas früh, jedoch hat es viele Vorteile, da der Bewuchs noch relativ gering ist und die Aktivität des Rehwilds höher ist als vergleichsweise im Herbst. 

 Die gute Sichtbarkeit des Wildes in dieser Zeit führt zudem zu einer leichteren Bejagung, deshalb definieren wir den Frühling in unserem Revier als erstes Jagdintervall. In diesem Intervall liegt der Fokus auf der Jugendklasse, dabei versuchen wir mehr als ein Drittel des Abschussplanes zu erfüllen.  Nach ca. zwei- bis dreiwöchiger intensiver Bejagung folgt eine Ruhephase. Mit Beginn der Schusszeit für mehrjährige Böcke wird die Jagd wieder fortgesetzt, dies wird als zweite Periode definiert. Hier versuchen wir sektoral zu jagen, um großflächige Beunruhigung zu vermeiden. 

Nach einer zweiten Ruhephase beginnt mit 16. August die dritte Jagdperiode auf Geiß und Kitz. Ziel ist es, den Abschussplan bis spätestens Oktober zu erfüllen. Ein sehr erfolgreiches Hilfsmittel ist das gemeinschaftliche Ansitzen, um möglichst viel Stücke in möglichst kurzer Zeit zu erlegen. Der größte Vorteil von Intervallbejagung für das Wild ist die Ruhe, da sie ihre Aktivität im Herbst verringern und sich auf den Winter vorbereiten. Intensives jagen in den Wintermonaten bedeutet für Rehe enormen Energievevlust und begünstigt Krankheiten und Wildschäden.


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