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Die drohnengestützte Kitzrettung erweist sich als höchst effektive Methode, den Mähtod von Kitzen zu verhindern. 
Wir haben mit Dirk Sachon, Jäger und Drohnenpilot der ersten Stunde, über die Vorteile, aber auch die Grenzen der drohnengestützten Kitzrettung gesprochen.

Dirk, wie wird man eigentlich Drohnenpilot? 

 Das kommt auf die Drohne an und was man mit ihr machen will. Für Drohnen, die bei der Kitzrettung eingesetzt werden, reicht normalerweise der kleine Drohnenschein. Das ist ein Onlinekurs, bei dem man sich einige Videos ansieht und dann eine Theorieprüfung macht. Dafür habe ich etwa zwei Stunden gebraucht. Zu beachten ist, dass man damit aber nicht näher als 150 m an Gebäude heranfliegen darf. Ist man also Stadtjäger oder unterschreitet diese Grenze in dem Revier, in dem man fliegen will, braucht man den großen Drohnenschein. Dafür muss man bei der zuständigen Luftfahrtbehörde zusätzlich zum Onlinekurs eine Flugleistung abliefern. Generell braucht man auch noch eine Haftpflichtversicherung für die Drohne, falls doch einmal was passiert. Habe ich diese rechtlichen Voraussetzungen erfüllt, muss ich nur mehr meine Drohne mit meiner Pilotennummer beschriften und es kann los gehen.

 

Was muss ich bei meinem ersten Flug beachten? 
 Generell lernt man die Theorie schneller als den Umgang mit der Drohne. Ganz wichtig ist es, die Witterungsverhältnisse zu beachten. Mir ist einmal eine Drohne abgestürzt, weil es leicht zu nieseln angefangen hat und es so zu einem Kurzschluss gekommen ist. Sie ist einfach wie ein Stein heruntergefallen, was einen Schaden von etwa 4000 € verursacht hat. Man muss auch darauf achten, dass es nicht zu windig ist beim Starten. Wenn die Drohne einmal fliegt, ist der Wind nicht mehr so schlimm, da sie Sensoren hat, die das ausgleichen, aber beim Start ist sie empfindlich. Meine erste Drohne hat es mir gleich beim ersten Start in einen Schneehaufen geweht, die Rotoren haben nicht aufgehört sich zu drehen und so sind Motor und Hauptplatine durchgebrannt. Deshalb sollte man immer auf die Witterung achten. Das Fliegen selbst ist eigentlich sehr einfach und intuitiv. 
 Kann man dann schon gleich auf Kitzsuche gehen, wenn man seine ersten Runden über einer Wiese geflogen ist? 
 Man sollte vorher schon noch ein bisschen Üben – etwa das Bild auf der Kamera zu interpretieren. Auch sollte man sich mit der Software der Drohnen vertraut machen und prüfen, ob die Verbindung zum Internet über den Handyhotspot funktioniert.

 

Wie sieht ein Kitzrettungseinsatz üblicherweise bei dir aus? 

 Ich beginne stets bei Tagesanbruch, denn die Wärmebildkamera misst nur den Temperaturunterschied zwischen zwei Objekten. Das heißt, je wärmer die Umgebung wird, desto geringer ist der Unterschied und umso schwerer wird es, ein Kitz als solches zu identifizieren. So ab 9, spätestens 10 Uhr vormittags – meist wird ja nur bei gutem Wetter gemäht – wird die Suche unmöglich, da jeder Maulwurfshügel gleichwarm angezeigt wird wie ein Kitz. Ich fliege mit der dji Mavic Enterprise 2, die ein Automatikprogramm hat. Das stelle ich anhand von Satellitenfotos vor Ort so ein, dass die Drohne den Bereich, den ich absuchen möchte, von allein lückenlos abfliegt. In diesem Modus kann man zwar nur minimal auf 25 m Höhe fliegen, das reicht aber noch gut aus, um Kitze zu erkennen. Ich habe in den sechs Jahren, in denen ich das jetzt schon mache, kein einziges Kitz verloren. Sobald ich ein Kitz gefunden habe, bleibe ich mit der Drohne darüber stehen und gehe entweder selbst oder schicke einen Helfer an die Stelle, um das Kitz herauszutragen.

Eine Begehung mit oder ohne Hund macht ja mehr Sinn, je mehr Helfer man hat. Wie viele Leute braucht man aber, wenn man mit der Drohne sucht? 

 Im Prinzip könnte man es allein machen, aber bequemer ist es natürlich zu zweit oder mit mehreren Helfern. Meist ist sowieso der Jagdleiter oder der ortsansässige Jäger dabei und einige andere, die das mit der Drohne interessiert.

Wie viel Zeit planst du für eine Wiese von etwa einem Hektar ein? 

 So zwischen 15 und 20 Minuten. Das kommt aber auch auf die Topographie der Wiese an. Suchst du immer die ganze Wiese ab, oder nur einen Teil? Wenn man Zeit hat alles abzusuchen, sollte man das immer tun. Normalerweise ist der lokale Jäger ja dabei und weiß ungefähr, wo die Geißen ihre Kitze gesetzt haben, aber ich habe auch schon Kitze fünf Meter von der Straße entfernt, gegenüber vom Waldrand, gefunden, wo man nie daran denken würde, dort ein Kitz zu finden. Ich plädiere wirklich, alles abzusuchen und auch, dass so wenig Zeit wie möglich zwischen Suchen und Mähen vergeht. Wenn doch einmal erst am Nachmittag gemäht werden kann, dann müssen die Kitze mit einem geeigneten Behältnis wie einem Wäschekorb abgedeckt werden, damit sie nicht wieder in die Wiese hineingehen, aber länger als einen halben Tag sollte das nicht dauern.

 

Was sind nun die Nachteile der drohnengestützten Kitzrettung? 
Eigentlich nur die Anschaffungskosten – bei der Auffindung von Kitzen ist die Drohne ungeschlagen. Bei der modernsten Drohnengeneration muss man schon mit etwa 7000 € Anschaffungskosten rechnen und dann kann man das Gerät ja nur zwei bis vier Wochen im Jahr für diesen Zweck einsetzen. Aber wenn man sie als Jagdgemeinschaft anschafft und sie für weitere Zwecke, wie etwa die Wildschadensbegutachtung einsetzt und sie vielleicht auch noch an andere Organisationen wie Bergrettung oder Feuerwehr ausleiht, relativieren sich die Kosten wieder. Was immer zu beachten ist, ist dass man nicht bei unpassender Witterung fliegt und dass die Akkulaufzeit nicht sehr lange ist. Deshalb sollte man auch mehrere Reserveakkus dabeihaben, was wiederum eine Kostenfrage ist. Aber wer einmal ein Kitz vor dem sicheren Tod gerettet hat, weiß wie schön das ist, wenn wieder eine sichere Mahd ohne Verluste stattfinden konnte.

 

INTERVIEW: Dirk Sachon, Eva Weiler 
 FOTOS: Dirk Sachon, Doris Wild

1. Zuhause ausprobieren, ob sich die Drohne über den Handyhotspot mit dem Internet verbinden lässt.   

2. Genügend Akkus dabeihaben und diese vor dem Flugtag aufladen – bei der dji Mavic Enterprise 2 reichen vier Akkus gerade so für einen Vormittag.   

3. Wettervorhersage für den Flugtag beachten.   

4. Mit Landwirt und Helfer für den Flugtag absprechen – meist wird mehr als eine Wiese am selben Tag gemäht.   

5. Behältnisse für die Kitze wie Wäschekörbe mitnehmen, falls nicht gleich nach der Suche gemäht werden kann. 

 6. Vor Sonnenaufgang vor Ort sein. 

 7. Auf Sicherheit achten! Wanderer oder Spaziergänger aufklären, dass hier per Drohne Kitze gesucht werden. 

 8. Mit dem ersten Tageslicht mit der Kitzrettung beginnen. 

 9. Den automatischen Flugmodus wählen, damit man sich ganz auf die Interpretation des Wärmebilds konzentrieren kann. 

 10. Mit der Drohne über dem Kitz stehen bleiben und die Helfer zum Kitz lotsen. Oftmals sind die Kitze so gut versteckt, dass der Helfer einen halben Meter danebensteht und es trotzdem nicht sieht.

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