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Wir Jäger würden am liebsten jede freie Minute im Revier verbringen. Dort tanken wir Kraft, können uns erholen und finden Ausgleich zum stressigen Alltag. Dass ein Ausflug in den Wald positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit und unsere Seele hat, ist unumstritten. Welche Effekte hat die Natur aber auf unsere Kinder und sollten wir diese mit in die Jagd einbinden?

Die Kinderzimmer hierzulande sind vollgestopft mit buntem, oft technisch aufwendigem Spielzeug. Bereits im Kindergartenalter beherrschen die Kinder Tablets und Spielekonsolen besser als ihre Eltern. Dabei entsteht bei den Kindern durch das Überangebot an Spielküche, Ritterburg, Reiterhof und natürlich dem damit verbundenen Chaos Stress. Jedes bunte Spielzeug ruft: Spiel mit mir! Durch die Überforderung finden die Kinder gar nicht mehr in ein richtiges Spiel und ein zentraler Baustein der Persönlichkeitsentwicklung entfällt.

Beobachten wir Kinder, die sich frei in der Natur bewegen dürfen, stellen wir fest, dass diese plötzlich stundenlang spielen können und außerordentlich kreativ sind, wenn es darum geht, Spielzeuge zu finden. Der Ast wird zum Steckenpferd, der Baumstumpf zur Burg und ein Zapfen zum Goldschatz, den es zu entdecken gilt. Als Eltern stehen wir in diesen Situationen etwas ratlos da und fragen uns, wofür wir den Schleich-Bauernhof gekauft haben, wenn es auch mit Rindenstückchen geht.

Es gleicht einer zivilisatorischen Katastrophe, dass sich Kinder kaum noch in der Natur bewegen. Ihr Aktionsradius hat sich, besonders in den Städten, massiv verringert und insbesondere auf die Innenräume verlegt. Dies hat dramatische Folgen – für die Kinder, aber auch für die Gesellschaft. Mit dem Abschied der Kinder von der Natur schwinden gleichzeitig die seelische, körperliche und geistige Gesundheit und nein, das ist nicht mit einem Tiptoy-Buch mit Tierstimmen oder mit einer wöchentlichen Kinderyogastunde zu ersetzen.

Die Entfremdung der Menschen von der Natur birgt gleichzeitig eine massive Gefahr für unsere Zivilisation. Wer soll die Natur, den Wald, der den Sauerstoff produziert, die Pflanzen und Tiere, die uns ernähren und unser Ökosystem bilden, schützen, wenn uns nicht mehr klar ist, dass wir ein Teil dieses komplexen Kreislaufs sind?

Wir als Jäger haben das große Privileg, dass wir uns in der Natur bewegen, sie kennen und uns mit ihr verbunden fühlen. Wir können unseren Kindern ein besonderes „Kinderzimmer im Revier“ bieten, in dem sie über Stock und Stein toben, Frösche fangen und auf Bäume klettern können. Das ungezügelte Spiel in der Natur fördert die Entfaltung seelischer, körperlicher und geistiger Potenziale. Kinder entwickeln dadurch Bindungsfähigkeit, Empathie, Fantasie, Kreativität und Lebensfreude.

Auch der Jagdhund im Jägerhaushalt hat einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden von Kindern. Es ist bekannt, dass die bloße Anwesenheit eines tierischen Freundes entspannend wirkt und Kinder sich häufig in Phasen von Wut, Ärger, Angst oder Kummer dem Tier zuwenden.

Ob und in welchem Alter Kinder mit auf die Jagd genommen werden, ist sehr individuell und muss von den Eltern entschieden werden. Meist wachsen Kinder mit Erzählungen über die Jagd auf und ein einfühlsamer Blick der Eltern zeigt, was Kinder miterleben sollten. Um sie nicht zu verschrecken und ihnen die Freude an der Jagd zu nehmen, sollte eine Heranführung in kleinen Schritten erfolgen. Allerdings ist sich die Kinderpsychologin Sabine Kopsch-Werner sicher: „Solange es sich um einen Vorgang der Jagd handelt und dieser in Wertschätzung geschieht, ist keine Traumatisierung eines Kindes zu erwarten. Kinder entwickeln erst ab dem siebten Lebensjahr ein Konzept zum Thema Tod.“ Schließlich gehört der Tod zum Leben, Kinder gehen in der Regel sehr natürlich damit um. Es spricht also nichts dagegen, Kinder auch mit auf den Hochstand zu nehmen und auch in ihrem Beisein ein Stück Wild zu erlegen.

Wichtig ist, dass die Kinder auf die Situation vorbereitet werden. Sie sollten sich nicht vor dem Schuss erschrecken. Dass ein kindgerechter Gehörschutz getragen und ein Schalldämpfer verwendet wird, sollte selbstverständlich sein. Auch sollte eine kindgerechte, aber ehrliche Auseinandersetzung mit dem Erlegen eines Wildtieres stattfinden. Grundlage hier wird sicherlich der Kreislauf des Lebens sein: Wir erlegen Wild, weil wir Fleisch essen möchten. Wenn man als Kind bereits verstanden hat, dass für meinen Fleischkonsum ein Tier stirbt, wird der Fleischkonsum deutlich bewusster und geschieht mit mehr Wertschätzung. Auch die sachlichen Gründe der Populationskontrolle verstehen Kinder schon sehr früh.

„Kinder gehören in die Natur“, meint der Hon. Prof. Dr. Christoph Möller, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Kinderkrankenhauses „Auf der Bult“ in Hannover. Auch er ist der Meinung, dass der Aufenthalt im Revier sowie das Verständnis für die Natur und ihren Kreislauf wichtig für eine gesunde Entwicklung sind. Er betont aber deutlich, dass Kindern ein verantwortungsbewusster Umgang mit Jagdwaffen zu vermitteln ist. Waffen sind keine Spielzeuge und werden niemals auf Menschen gerichtet, auch nicht im Spiel.

Die Erinnerungen an Wochenenden auf der Jagdhütte mit Lagerfeuer und Stockbrot halten ein Leben lang an. Die erlebten Abenteuer stärken das Gemeinschaftsgefühl in der Familie und geben Kindern einen wertvollen Schatz mit auf ihren Lebensweg. Auch für Eltern ist es ein tolles Gefühl, die eigene Leidenschaft weitergeben zu dürfen und gemeinsame Zeit mit eigenen Interessen verknüpfen zu können. Als Jägereltern verbringt man seine Zeit in der Regel auch lieber im Revier als auf einem überfüllten Spielplatz.

Lehren wir unsere Kinder Fähigkeiten wie Spuren zu lesen, Vogelstimmen zu lauschen und gespannt auf ein Wildtier zu warten, steigern wir damit Zufriedenheit, Teamfähigkeit und Mitgefühl. Geben wir ihnen also die Möglichkeit, mit nackten Füßen im Bach zu plantschen oder mit den Händen in der Erde zu graben! Lassen wir unsere Kinder glücklich „verwildern“! Kinder brauchen keinen TÜV-geprüften Spielplatz, sondern sinnliche Erfahrungen in Freiheit. Und ja, das fällt uns zwar wirklich schwer, aber zu dieser Freiheit gehören auch ein bisschen Risiko und echtes Abenteuer.


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