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Jeden Arbeitstag in der freien Natur verbringen, fernab von der Hektik des modernen Alltags in der Ruhe des Waldes mit der Büchse in der Hand durchs Revier streifen und dabei noch einen wichtigen Beitrag zur Gesunderhaltung von Wild und Umwelt leisten. So oder so ähnlich stellt sich so mancher den Alltag eines Berufsjägers vor. Und sein wir ehrlich: Wer von uns Freizeitjägern hat nicht schon mindestens einmal davon geträumt, seine weidmännische Passion zum Broterwerb zu machen? Die Realität nimmt sich jedoch leider weitaus weniger idyllisch aus, da sie fest angestellte Jagdorgane mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert.

Zuallererst muss ein Berufsjäger selbstredend über nicht unerhebliche physische und psychische Voraussetzungen verfügen. Je nach Beschaffenheit des Reviers sind lange Märsche durch unwegsames Terrain trotz der vielerorts zahlreichen Forststraßen nach wie vor nicht unbedingt selten. Was für die Jagd allgemein gilt, bekommt als Berufsjäger zusätzliches Gewicht, denn von einem solchen werden noch mehr Wachsamkeit, Geduld, schnelle Auffassungsgabe und Treffsicherheit gefordert. Angesichts oft widriger Wetterverhältnisse ist wohl zusätzlich eine gewisse Rossnatur gefordert. Auch Fähigkeiten im Umgang mit anderen Menschen sind gefragt, da die Nutzung von Wald und Feld durch eine Vielzahl von Interessensgruppen vom einfachen Wanderer bis hin zum Großgrundbesitzer beträchtliches Konfliktpotenzial erzeugt. Hierbei muss der Jäger gleichsam zwischen den Interessen des Umweltschutzes, denen der Gesellschaft und jenen seines Jagdherrn vermitteln, wobei man sich schnell zwischen zwei Stühlen sitzend vorfinden kann. Ebenso wollen eventuelle Jagdgäste wohl geführt, gut instruiert und nicht zuletzt auch etwas unterhalten und notfalls aufgemuntert sein. Bei Ausbau oder Erhaltung von Reviereinrichtungen sind grundlegende handwerkliche Fähigkeiten gefragt, ganz zu schweigen von modernen forstwirtschaftlichen und wildökologischen Kenntnissen, wie sie vielerorts von einem Berufsjäger gefordert werden. Um etwaige Anwärter auf den Beruf bestmöglich vorzubereiten, umfasst die verpflichtende Ausbildung eine relativ breite Palette an Themen und Lernmethoden.

 

In Österreich existieren bei der Ausbildung zum Berufsjäger von Bundesland zu Bundesland leicht unterschiedliche Vorgaben, wobei jedoch die Grundbestandteile vom Gesetzgeber durch eine Novelle zur Ausbildungsordnung von 2015 festgelegt sind. So muss vor Antritt der eigentlichen Lehre eine zweijährige Ausbildung an einer Forstfachschule absolviert werden. Eine gleich- oder höherwertige forstliche Ausbildung wird ebenso akzeptiert. Danach geht es in die praktische Ausbildung beim Lehrbetrieb bzw. Lehrherrn, welche zwei bis drei Jahre dauert. Die genauen Umstände einer solchen Lehre lassen sich am Beispiel der steirischen Vorgaben veranschaulichen: Um die Voraussetzungen für eine Tätigkeit als Ausbilder zu erfüllen, muss man mindestens 25 Jahre alt sein, einen Jagdhund führen und eine mindestens fünfjährige Tätigkeit als Berufsjäger vorweisen können. Auch die Ausbildungsbetriebe selbst müssen gewisse Maßstäbe hinsichtlich Reviergröße, Wildbestand oder Unterbringung erfüllen. Beim Mithelfen im alltäglichen Jagdbetrieb soll dann der Lehrling seine theoretischen Kenntnisse in der Praxis umsetzen und erweitern. Dies umfasst so verschiedene Dinge wie Hundehaltung, Öffentlichkeitsarbeit, Wildschadensverhütung, Überwinterungskonzepte, Waffenhandhabung und Pflanzenkunde. Der Lernprozess muss in einem Tagebuch minutiös dokumentiert werden und einmal pro Monat ist ein Aufsatz zu einem vorgegebenen Thema zu verfassen. Am Ende der Ausbildungszeit steht die abschließende Berufsjägerprüfung. In Salzburg etwa reicht hier das erfolgreiche Ablegen der Jagdprüfung und der Besuch eines Vorbereitungskurses im letzten Lehrjahr, welcher sich hauptsächlich mit der dortigen Jagdgesetzgebung beschäftigt. Allen Bundesländern gemein ist der Umstand, dass die Anwärter zusätzlich noch einen mindestens dreimonatigen Berufsjägerkurs absolvieren müssen.

 

In Deutschland ist die Berufsjägerausbildung ähnlich wie im südlichen Nachbarland strukturiert und dauert drei Jahre. Bundesweit existieren dafür zwei spezialisierte Schulen, eine in Niedersachsen und eine in Bayern. Formale Grundvoraussetzungen sind eine bestandene Jagdprüfung und der Besitz eines Führerscheins der Klasse B, Klasse T wird zusätzlich erwünscht. Auch hier werden theoretische Schulungen mit Erfahrungen im Rahmen eines Praktikums kombiniert. Die abgeschlossene Ausbildung bietet auch Perspektiven zur Weiterbildung in Richtung Naturschutz und Forstwissenschaft. Auf dem gesamten Gebiet der Bundesrepublik sind an die 1.000 Berufsjäger tätig. Zum Vergleich sind in Österreich ca. 480 Männer und Frauen in dieser Funktion unterwegs. In der Schweiz sind 178 vollamtliche Wildhüter registriert.


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