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Auf den ersten Blick könnte es für Außenstehende so erscheinen, als hätten Weidwerk und christlicher Glaube an sich nicht besonders viel miteinander zu tun. Immerhin geht es doch beim Erlegen und Aufbrechen von Wild nicht gerade unblutig zu. Wenn man sich aber etwas Zeit nimmt und in die Vergangenheit schaut, zeigen sich vielfältige Verbindungen zwischen diesen beiden althergebrachten Bereichen unserer Kultur. Wer nichts mit spirituellen Thematiken anzufangen weiß, sollte jetzt vielleicht dennoch nicht weiterblättern. Die gleich folgenden Inhalte helfen nämlich vor allem dabei, einen tieferen Einblick in die Hintergründe weidmännischen Brauchtums zu erlangen, welches nach wie vor einen wichtigen Teil unserer Identität als Jäger ausmacht.

Unser kulturgeschichtlicher Streifzug beginnt schon in der Antike, wo sich Mitte des ersten Jahrhunderts nach Christus die frühe Kirche aus dem Urchristentum heraus zu entwickeln begann. Hier findet sich mit Eustachius bereits ein Heiliger mit direktem Bezug zur Jagd. Somit gilt Eustachius, was übersetzt so viel wie „der Standfeste“ bedeutet, als einer der ältesten christlichen Heiligen überhaupt. Laut Legende trug dieser ursprünglich den heidnischen Namen Placidus und passend dazu soll er als Heermeister einer Legion in Kleinasien anfangs auch alles andere als einen heiligen Lebenswandel gepflegt haben. Da ihm aber eines Tages auf der Jagd ein Hirsch mit einem Kreuz zwischen den Geweihstangen erschien, wurde der hohe Offizier bekehrt und ließ sich auf den Namen „Eustachius“ taufen. 118 n. Chr. soll er dann nach zahlreichen Glaubensprüfungen gemeinsam mit seiner Familie den Märtyrertod erlitten haben, da sie sich geweigert hatten, an einem heidnischen Opferritual teilzunehmen. Eustachius‘ angebliche Gebeine sollen heute im Altar der ihm geweihten Kirche in Rom ruhen. Der frühchristliche Märtyrer wird zu den 14 Nothelfern gerechnet und soll bei traurigen Familienschicksalen sowie gegen Insektenplagen Unterstützung bieten. Neben Jägern sowie Forstbediensteten können sich auch Krämer, Tuchhändler und Installateure an Eustachius als ihren Schutzheiligen wenden. Sein Gedenktag ist der 20. September.

Wer sich bei der Schilderung des Bekehrungserlebnisses oben an den heiligen Hubertus erinnert fühlt, geht keineswegs in die Irre. Denn das Motiv von dem im Geweih erstrahlenden Kreuz wurde seit dem 11. Jahrhundert von Eustachius auch auf Hubertus übertragen, was oftmals zu Verwechslungen führt. Letztgenannter war ein frühmittelalterlicher Adeliger, der um 655 n. Chr. in Toulouse auf die Welt kam. Der fränkischen Herkunft seines berühmten Trägers gemäß stammt der Name „Hubert“ aus dem Westgermanischen und bedeutet in etwa „der durch Verstand Glänzende“, „Hubertus“ stellt dabei die latinisierte Namensform dar. Der frommen Überlieferung zufolge weilte Hubert zunächst als Pfalzgraf an den Höfen fränkischer Machthaber. Nachdem seine Frau bei der Geburt ihres ersten gemeinsamen Sohnes verstorben war, zog sich der Hochadelige in die Waldeinsamkeit der Ardennen zurück. Dort lebte er für sieben Jahre als Einsiedler, wobei er sich von selbsterlegtem Wild ernährt habe. Schließlich war Huberts Glaube so stark gewachsen, dass er nach Rom pilgerte und dort die Priesterweihe empfing. Zurück im heutigen Belgien wurde er zum Bischof ernannt und verlegte seinen Sitz nach Lüttich, was ihm seinen Beinamen eintrug. Von dort aus kümmerte sich Hubert um die Missionierung der Bewohner des Ardennengebirges und seines Umlands. Der ehemalige Pfalzgraf, der bei einer Hungersnot viele Mitmenschen vor dem Tod bewahrt haben soll, segnete 727 n. Chr. das Zeitliche. Seit den Wirren im Gefolge der Französischen Revolution sind seine Überreste verschollen. Das aus der Eustachius-Legende stammende Erweckungserlebnis mit dem Hirsch wurde der Vita des Heiligen höchstwahrscheinlich aufgrund seiner Zeit als Klausner im Wald zugeschrieben. Die fromme Erzählung dürfte schon damals als Mahnung zur vernünftigen Mäßigung der Jagdleidenschaft verstanden worden sein.

Hubertus von Lüttich gilt nicht nur als Patron der Jäger und Forstleute, sondern ist unter anderem auch Schutzheiliger der Metzger, Metallarbeiter, Schützenvereine, Büchsenmacher und sogar der Mathematiker. Zudem ist er für Hunde zuständig und soll bei Kopfweh, Tierbissen sowie Tollwut Beistand leisten. In den Zeiten vor Impfschutz, Wunddesinfektion und Antibiotikatherapie stellten Bisswunden und Seuchen eine häufig tödliche Bedrohung für Mensch und Tier dar. Es verwundert daher wenig, dass man da göttlichen Beistand suchte und den über die Jagd auch mit Hunden assoziierten St. Hubertus anrief. So gab es zum Beispiel den sogenannten „Hubertusschlüssel“, dem der Volksglaube eine Wirkung gegen Tollwut nachsagte. Hierbei handelte es sich um einen speziell geweihten eisernen Schlüssel oder Nagel, welchen man zum Glühen brachte und auf die Stirn des zu schützenden Hundes presste. Auch bei anderen Haustieren versprach man sich von dieser Prozedur eine prophylaktische Wirkung gegen die Viruserkrankung. In der Humanmedizin kam der Hubertusschlüssel ebenso zur Anwendung, wobei das erhitzte Instrument direkt auf Bissstellen gelegt wurde. Die Kauterisation, also das Ausbrennen von Wunden, ist schon seit der Antike als medizinische Praxis belegt und wird noch heute manchmal zum Stillen von Blutungen angewendet. Bei einer wirklichen Tollwutinfektion vermag eine solche Behandlung jedoch nichts auszurichten. In manchen Gegenden werden noch heute am Hubertustag Salz, Brot und Wasser mit der Bitte um Schutz vor diversen (Vieh-)Krankheiten gesegnet. Das Vertrauen auf den Heiligen lässt sich zusätzlich daran ablesen, dass die Tollwut bis weit ins 19. Jahrhundert hinein auch als „St.-Hubertus-Krankheit“ bekannt war. Der Schutzaspekt dürfte bei der Entstehung der Hubertusmessen in Belgien und Frankreich ebenso eine Rolle gespielt haben, da bei diesen besonderen Gottesdiensten früher nicht selten speziell die Jagdhunde gesegnet wurden.

Eine spezielle liturgische Form existiert für die Hubertusmesse seit dem 19. Jahrhundert. Bei den mitunter im Wald stattfindenden Messfeiern kommen häufig Jagdhörner zum Einsatz, welche bei Bedarf sogar die fehlenden Kirchenglocken ersetzen können.

Kleriker selbst dürfen sich auch weidmännisch betätigen, vorausgesetzt der zuständige Bischof hat für die Geistlichen seines Bistums keine anderslautenden Regeln aufgestellt. Im Laufe der Geschichte griffen so nicht nur einfache Landpfarrer, sondern auch hohe kirchliche Würdenträger zur Jagdbüchse und nutzten das Weidwerk dabei zusätzlich zu Repräsentationszwecken. Als gutes Beispiel lässt sich hier Max Gandolph von Kuenburg erwähnen, welcher zwischen 1668 und 1687 als Salzburger Erzbischof gleichzeitig weltliche und geistliche Macht ausübte. Dieser ließ sich selbstbewusst neben seiner aus Niederwild, einem Fuchs und sogar einer Gams bestehenden Jagdbeute auf einem Ölgemälde verewigen. Das Gewehr noch neben sich weist der rastende Kirchenfürst stolz mit seiner Tabakspfeife auf den erlegten Fuchs. Wer sich bei Gelegenheit selbst einen Eindruck davon verschaffen möchte, kann dies in der Gemäldegalerie des Domquartiers in Salzburg tun.

 

Am Beispiel der beiden Schutzheiligen der Jagd wird deutlich, auf welche Weise sich religiöse Überlieferung und die alltäglichen Wünsche und Sorgen der Menschen zu einem faszinierenden Konglomerat zusammenfügten. So wie St. Hubertus nicht nur für die Jagd, sondern auch andere Bereiche wie etwa die Mathematik als Patron gilt, so steht auch die Jagd nicht als vereinzeltes Phänomen da. Als Kulturgut ist sie vielmehr in den vielschichtigen Kontext der modernen Gesellschaft eingebettet. In dieser Beziehung haben das Weidwerk und der Glaube gemein, dass sie tiefliegende Bereiche der menschlichen Seele ansprechen. Auf diese Weise bildet die Vergangenheit die geistige Wurzel für unser heutiges Tun und wird hoffentlich auch noch in der Zukunft mannigfaltige Blüten hervorbringen.

 

Othmar F. C. Hofer

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