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Impuls, wie man damit umgehen kann, haben wir uns vom Doyen der Waldpädagogik in Österreich und akkreditiertem österreichischen Waldbotschafter, Jäger und Oberförster Fritz Wolf aus Grünau im Almtal, geholt.

Von Konflikten mit Erholungssuchenden und Sportlern kann wohl jeder Jäger berichten. Warum kommt es immer häufiger zu Konfrontationen?

Es fehlt den jüngeren Menschen das Bewusstsein für die Land-, Forst- und Jagdwirtschaft. Sie haben keine Beziehung mehr dazu. Wer hat heute noch die Gnade auf einem Bauernhof aufzuwachsen oder irgendwo in ländlicher Umgebung, wo die Natur rundherum selbstverständlich ist? Und es ist eine Frage der Frequenz. Auch wenn es ein alter Konflikt zwischen Forst- und Jagdwirtschaft ist, wir haben irgendwann einen Konsens gefunden, wieviel Schalenwild pro 100 Hektar vertretbar ist. Ähnlich ist das mit der Besucherdichte. Irgendwann wird sie zu hoch und schadet dem Wald und dem Ökosystem!

Welche Handhabe haben wir, wenn die Jagdausübung durch Erholungssuchende gestört wird?

Die Grundeigentümer haben gewisse Möglichkeiten zur Regulierung. Deshalb ist es auch so wichtig, dass die Jagdausübungsberechtigten und die Grundeigentümer an einem Strick ziehen. Wir sollten den Dialog suchen und schauen, dass bei gesetzlichen Änderungen die Interessen der Jagd berücksichtigt werden. Aber wir müssen auch die Touristiker einbinden. Bei uns im Salzkammergut regnet es bekannterweise ja recht viel und da haben sich unsere lokalen Tourismusverantwortlichen Gedanken gemacht, wie man Gäste bei Regen und schlechtem Wetter in den Wald bringen kann. Da habe ich mir schon erlaubt, zu sagen: da gehen wir aber auf die Jagd, weil zu anderen Zeiten können wir schon fast nicht mehr jagen! Da sieht man den Interessenskonflikt ganz deutlich, mit dem wir irgendwie zurechtkommen müssen.

Wie gehst du in der Praxis, vor Ort im Wald, mit Konfrontationen um?

Ich möchte nicht der Jäger und Förster sein, der die Leute dauernd aus dem Wald hinauskomplimentiert, sondern die Leute sollen verstehen, dass ihr Verhalten wichtig ist für unsere Natur. Man muss miteinander höflich und vernünftig reden. Mit bösen Worten und schreien erreicht man gar nichts. Wir sind in keiner starken Position, wir müssen uns schön langsam aufs Bitten verlegen. Das ist bitter und hart.

Welche konkreten Aktionen können Jäger und Förster setzen, um Konflikte am Entstehen zu hindern? Oder wenn sie einmal da sind, sie so gut wie möglich zu entschärfen?

Eine Empfehlung ist: Macht die Ausbildung zum Wald- und Jagdpädagogen! In diesen Wochen wird man sensibilisiert und kann sich durchs gemeinsame Überlegen darauf vorbereiten, wie man Waldbesuchern gegenübertritt. Durch diese öffentlich wirksame  Tätigkeit kann man den Menschen – auch schon den Kleinsten im Kindergarten – zeigen, dass Jäger und Förster keine bösen Personen sind.

Aber auch ohne diese Ausbildung ist es wichtig, mit der örtlich ansässigen Bevölkerung in Kontakt zu treten. Wir machen etwa Ferienaktionen, gehen mit Schulklassen und Lehrpersonen in den Wald und versuchen Verständnis für die Jagd innerhalb der Gemeinde zu erreichen, etwa indem wir die Waldbesucher höflich begrüßen und ein ordentliches Gespräch mit ihnen führen. Und dann sollten wir auch die Tourismuswirtschaft einbinden. Denn der Dialog ist das Um und Auf. Sich auf die gesetzliche Lage zurückzuziehen wird immer problematisch sein. Das macht böses Blut und führt im schlimmsten Fall zu Rachefeldzügen!

Interview: Fritz Wolf, Eva Weiler
Fotos: Fritz Wolf, Adobe Stock

Info:

Am 15. März 2021 wurden einheitliche Ausbildungsrichtlinien für die österreichische Jagdpädagogik beschlossen. Weitere Informationen und die nächsten Termine des Aufbaulehrgangs ZLG Jagdpädagogik findest du etwa auf www.fastpichl.at, www.fasttraunkirchen.at/ oder www.waldpaedagogik.at. Mehr über Fritz Wolf und seine Waldschule kannst du auch auf www.waldschulealmtal.jimdo.net erfahren.