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„Die Mutter hat vorm Winter immer gesagt: Bringts ma nu a Gams und an Hirsch – für s‘ Inslat …“ Von alten Jägern und Jägersfrauen hörte ich diese Aussage des Öfteren, in deren Erzählungen und Erinnerungen an ihre Kindheit und als Antwort auf meine Frage, wie und für was Wildfett in der Volksheilkunde und im Alltag verwendet wurde.
Schriftliche Überlieferungen zur Verwendbarkeit von Wildfett und Wildschmalz, ausgenommen Dachsschmalz, muss man wahrlich mit der Lupe suchen. Einzelne Hinweise in Jagdgeschichtsbüchern und alten Arzneibüchern bestätigen die Kostbarkeit und die Heilkraft von Wildfett. Geheimes Wissen eben, dass bis vor Kurzem nicht aufgeschrieben wurde und wenn überhaupt mündlich von Generation zu Generation weitergegeben wurde.


Für mich war es ebenso interessant zu hören, dass jegliches Wildfett laut den Erzählungen meiner Interviewpartner „anno dazumal“ meist ohne Zusätze wie Heilkräuter, Heilwurzeln und Harze verwendet wurde und nur das ausgelassene Fett in Reinform aufgetragen wurde. Die Vermutung liegt natürlich nahe, dass sogenannte Kräuterkundige, Boandlrichterinnen und auch Apotheker sehr wohl das Wildfett und Wildschmalz mit ausgewählten Kräutern, Wurzeln, Harzen und Pilzen zu äußerst heilkräftigen Salben verrührten.


Mir wurde mehrmals und unabhängig voneinander quer durch Österreich erzählt, dass Gamsweiß als Wickel für kranke Lungen und Bronchien verwendet wurde. Aufgetragen wurde das reine Fett mit einem heißen Tuch, welches den sehr festen Talg rasch schmelzen ließ. Ebenso wurde das sorgfältig ausgelassene Gamsweiß mit Milch vermischt gegen Husten und Katharr warm getrunken. Gamsweiß und Hirschfett bieten zudem einen hervorragenden Schutzfilm für die Haut. Ein obersteirischer Jäger erzählte mir, dass er sich noch gut erinnern könne, wie man sich früher, als er noch ein Bub war (also vor noch gut 60 Jahren), die Füße dick mit Gams- oder Hirschfett eingerieben habe, bevor es in den Wald oder auf den Berg zum Arbeiten im Holz und/oder zum Jagern ging. Dermatologen bestätigen auch heute, dass Fett ein sehr wirksamer, natürlich schützender und pflegender Rohstoff für unsere Haut ist, vor allem bei Kälte. Hirschweiß wurde hauptsächlich als schützende und wundheilende Hautcreme, für die Kuheuterpflege sowie auch als Lederschutz- und -pflegemittel verwendet.

Interessant zu wissen ist, dass im Kollektivvertrag für land- und forstwirtschaftliche Angestellte (Gutsangestellte) in OÖ in der Fassung vom Mai 21 unter § 12 immer noch geregelt ist, dass dem Jagddienst ausübenden Angestellten bei Erlegung von Schalenwild das kleine Jägerrecht zusteht. Dabei sind nicht nur Herz, Lunge, Leber, Milz und Nieren, sondern auch das Weiß gemeint, soweit es mit der Hand ablösbar ist.

Wundermittel: Hasenschmalz

– ein Geschenk der Jagdgöttinnen Artemis und Diana

Sehr erwähnenswert ist vor allem im Herbst, wenn es zur Niederwildjagd geht, die Verwendbarkeit des Fettes von Feld- und Schneehasen. Schon der Römer Plinius der Ältere erwähnte diese in seinem Werk Naturalis Historia. Bei weiteren Recherchen habe ich dann aber lediglich ein einziges Rezept für eine Zug- und Wundsalbe aus dem Böhmerwald gefunden und sogleich ausprobiert. Die Eigenschaft des Hasenschmalzes begeistert wahrlich – meine Erfahrungen sind: absolut rasch und stark schmerzlindernd, kühlend, abschwellend bei Prellungen und erstaunlich wundheilend, Abszesse und Mitesser öffnend, Schiefern und Dornen ziehend.

Bei den kommenden Treibjagden macht es sich also jedenfalls bezahlt, das Fett rund um die Nieren zu sammeln, um es anschließend bei niedriger Temperatur über einem Wasserbad sanft auszulassen. Hasenschmalz kann danach bis zu zwei Jahre kalt gelagert aufbewahrt werden. Zu beachten ist lediglich, dass es nicht zu heiß ausgelassen wird und es keinesfalls eingefroren werden darf!

Hase und Gams, welche beide Verlierer des gesellschaftlichen und klimatischen Wandels sind, haben kultur- und jagdgeschichtlich sehr viel gemeinsam. Eine ungerechtfertigte Bejagung dieser Wildarten wurde seit jeher als frevelhaft angesehen. Sowie gelten der Hase und das Gamswild als Attribute der Jagdgöttinnen Artemis und Diana. Das Gamsweiß und das Hasenschmalz lassen sich somit auch sinngemäß ideal für Frauenheilsalben kombinieren.

 

Rezept für
eine „Boandlschmier“
mit Dachschmalz, Hasenfett und Gams- oder Hirschfett


  • 1 Teil Hasenschmalz
  • 2 Teile Dachsschmalz
  • 1 Teil Hirsch- oder Gamsfett
  • Etwas Lärchen- oder Schwarzkiefernharz
  • Etwas Wurm- oder Adlerfarnkraut
  • Beinwell- und/oder Meisterwurzwurzel
  • Arnika- und Johanniskrautöl
  • Evtl. ein paar Tropfen hochwertiges
  • ätherisches Latschen- oder Wacholderöl

Zubereitung: Fette im Wasserbad sanft auslassen, Harz, gehackte Kräuter und Wurzeln zugeben, vom Feuer nehmen und Öle einarbeiten. Durch ein feines Sieb streichen, in Tiegel füllen und abkühlen lassen.

Text: Andrea Gabriel
Fotos: Doris Wild