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Früher in Europa hauptsächlich im westlichen Alpengebiet verbreitet, erobert der Fuchsbandwurm (Echino-coccus multilocularis) immer weitere Regionen. Wir haben mit dem Salzburger Landesveterinärdirektor Dr. Josef Schöchl über die wichtigsten Schutzmaßnahmen vor einer Infektion sowie die aktuelle Lage im Bundesland gesprochen.

Warum ist der Fuchsbandwurm für den Menschen überhaupt relevant? 

 Der Fuchsbandwurm kann den Menschen als Fehlwirt befallen. Man muss dazu sagen, dass der Fuchsbandwurm dem Hauptwirt, dem Fuchs, eigentlich nicht recht viel tut, außer, dass er ihn nach außen hin abgibt. Als Zwischenwirt befällt das vom Fuchs ausgeschiedene Ei dann eine Maus. Dieses arme kleine Mäuslein wird durch den Fuchsbandwurm schwer krank – es bekommt in der Leber krebsartige Wucherungen – und wird so zur leichten Beute für den Fuchs. Der Infektionskreislauf hat sich geschlossen. Problematisch für den Menschen ist, dass der Fuchsbandwurm ihn als Fehlwirt anstelle der Maus befallen kann. Deswegen kommt es beim Menschen auch zu ähnlichen Symptomen mit Entartungen in der Leber, allerdings zeitverzögert und wesentlich langsamer. Dennoch ist die sogenannte alveoläre Echinokokkose des Menschen eine höchst gefährliche und unter Umständen sogar tödliche Erkrankung.  

Woran erkennt man eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm? 

Das Problem ist, dass man sie sehr lange überhaupt nicht erkennt, weil diese Entartungen sehr langsam wachsen. Wenn man dann nach etlichen Jahren erste Symptome einer Lebererkrankung bekommt, bedarf es meist schon sehr invasiver Eingriffe. Oft müssen etwa Teile der Leber entfernt werden und eine lange, wenn nicht sogar lebenslange Therapie mit antiparasitären Mitteln eingeleitet werden. Das ist für die betroffene Person eine praktisch lebenslang beeinträchtigende Erkrankung, wenn man überhaupt noch was tun kann – auch das gibt es. 

 Zum Glück kann man aber Vorkehrungen treffen, die die Wahrscheinlichkeit einer Infektion minimieren. Welche wären die wichtigsten? 

 Interessant ist, dass der bekannteste Verbreitungs-weg meines Erachtens nicht der bedeutendste ist. Man hört immer wieder, dass man mit Beerenfrüchten sehr vorsichtig sein muss, dass man sie gut abwaschen soll und so weiter. Das ist alles richtig, aber ein wesentlich bedeutenderer Weg der Infektion ist meiner Meinung nach, dass man sich irgendwo in der Natur aufstützt und sich dann unbewusst mit der ungewaschenen Hand über den Mund fährt. Der zweitwichtigste Infektionsweg ist dann der Hund. In ihm lebt der Fuchsbandwurm genauso gut und gerne wie im Fuchs. Deswegen mein Apell: wenn ein Hund Mäuse jagt, dann gehört er konsequent entwurmt. Katzen sind bei weitem nicht so gute Wirte. Allerdings können sich Fuchsbandwurmeier auch im Fell von Freigängerkatzen verfangen und dann durchs Streicheln auf den Menschen übertragen werden. Was aber für den Jäger wichtig ist, sind die Vorkehrungen, die er beim Hantieren mit dem Fuchskadaver, etwa beim Abbalgen, treffen sollte.  


Welche wären das? 

 Bevor er den Kadaver anfasst, sollte er einen Mundschutz aufsetzen und Einmalhandschuhe überstreifen. Dann sollte man den Balg gut einfeuchten, damit es zu keiner Staubentwicklung und Aufwirbelung der Eier kommt. Wichtig ist aber auch die gründliche Reinigung der Jagdstiefel nach der Rückkehr von der Jagd und das Waschen der Jagdkleidung sowie eine regelmäßige Reinigung der Hundedecken. Hat man einen baugängigen Hund, sollte dieser nach jedem Einsatz gründlich abgebürstet oder abgebraust werden. Beim Bürsten Mundschutz nicht vergessen! 

 Wie viele Salzburger Füchse sind denn überhaupt mit dem Fuchsbandwurm infiziert? 

Wir haben erst jüngst zusammen mit der AGES in Innsbruck eine statistisch valide Studie gemacht, bei der wir zwischen 2016 und 2018 415 Füchse zur Untersuchung eingeschickt haben. Davon waren über Salzburg verteilt ca. 16 % mit dem Fuchsbandwurm befallen und es gab auch zwischen den Gauen keine große Spreizung. Einziger Ausreißer war die Stadt Salzburg, da wurde kein Nachweis erbracht, aber das lag wohl auch an der sehr niedrigen Anzahl von nur sechs untersuchten Füchsen. Dass diese Studie aber überhaupt möglich gewesen ist, dafür möchte ich mich auch noch einmal bei der sehr kooperativen Salzburger Jägerschaft bedanken! Es ist ja gar nicht so einfach, die von den Statistikern vorgegebene Anzahl Füchse im zu beobachtenden Zeitraum einzuschicken. Die Salzburger Jäger haben das aber hervorragend hinbekommen! 

 Wie schauen die Befallszahlen in den anderen Bundesländern aus? 

 In Vorarlberg sind es rund 45 % und in Tirol 33 % der Füchse, die befallen sind. Das ergaben Paralleluntersuchungen mit gesicherten Zahlen. Auffällig ist jedoch, dass diese allerorts steigen. 

Dr. Josef Schöchl ist seit 1994 Landesveterinärdirektor von Salzburg, seit 2009 Abgeordneter zum Landtag und seit einigen Jahren Autor von kulinarisch-faszinierenden Sachbüchern mit Augenzwinkern. Passend zum Anlass trägt er stets eine von 60 Tiermotivkrawatten – der Fuchsbandwurm hat es dann aber doch noch nicht unter die auserwählten 60 geschafft.    

INTERVIEW:Josef Schöchl, Eva Weiler 

FOTO: Doris Wild