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Wie sich Besucher im Revier lenken lassen und welche Maßnahmen jeder Jäger treffen kann, um Konflikte zu entschärfen, haben wir mit Christoph Burgstaller, Projektleiter für Respektiere deine Grenzen in Salzburg, Berufsjäger und leidenschaftlicher Bergsportler, besprochen. Sebastian Schwaiger, Marketingleiter des Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn und selbst Jäger, hat uns zudem verraten, was die Tourismuswirtschaft für den Wildtierschutz leisten kann. 

Spätestens seit den Lockdowns der letzten beiden Jahre haben viele Menschen die Natur als Erholungs- und Erlebnisraum für sich entdeckt. Das ist eine positive und prinzipiell begrüßenswerte Entwicklung. Durch Unwissenheit der Freizeitnutzer kann das aber massive Probleme bei den heimischen Wildtieren verursachen.  Problematisch sei dabei laut Burgstaller weniger das Verhalten der Touristen, denn diese würden durch die Maßnahmen der heimischen Tourismusverbände gut gelenkt, sondern das der Einheimischen, die schnell noch nach der Arbeit auf den Berg gehen wollen. „Das ist kein Problem im Juni und Juli, weil es da bis nach 9 hell ist. Aber wenn man im Oktober zur gleichen Zeit mit der Stirnlampe rauf geht, dann ist das höchst problematisch.“ Dass es schwierig ist, Fehlverhalten wie dieses anzusprechen, ist sich Burgstaller bewusst. Er benennt aber auch die Gründe, warum es überhaupt erst dazu kommt: „Viele haben verlernt, wo Wildtiere leben und wie sich Nutztiere verhalten. Für sie steht die Natur nur mehr als Freizeitplatz im Vordergrund. Und wenn man sie dann an-spricht, herrscht schnell eine ziemlich aggressive Stimmung.“ Wundern brauche es einen aber nicht, wenn die Werbung suggeriere, dass man jederzeit rausgehen und alles Mögliche machen könne. Deswegen wäre es auch wichtig die Sportgerätehändler zu ermutigen, eine ge-wisse Aufklärung beim Kunden zu betreiben. „Wir haben mit den Verantwortlichen des größten Sporthändlers bei uns in der Region gesprochen“, so Burgstaller, „das Interesse wäre prinzipiell da, beim Verkauf von Outdoorausrüstung, den Kunden Folder von Respektiere deine Grenzen mit-zugeben, man müsse es nur gut koordinieren“. Schwieriger wird es aber beim Online-kauf, wo die persönliche Betreuung fehlt. Auch die Hersteller sollte man laut Burgstaller in die Pflicht nehmen: „Wenn ich mir eine Wildfalle kaufe, steht genau dabei, was ich damit machen darf und was nicht. Wenn ich mir ein Zelt kaufe, dann steht da nur dabei, wie ich es aufbaue.“ 

Auch Schwaiger sieht im man-gelnden Wissen um die Lebens-weise alpiner Wildtiere das Hauptproblem: „Die meisten haben wenig Gefühl dafür, was ein sensibler Lebensraum ist und was nicht.“ Deshalb setzt der Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn nicht nur auf multimediale Aufklärung in Zusammenarbeit mit Respektiere deine Grenzen, sondern gleich-zeitig auch auf die Definition von Ruhezonen, die die sensibelsten Bereiche markieren und ab-sperren. Dass es sich dabei nicht um den gesamten Raum außer-halb der Pisten handeln kann und sollte, erklärt uns Schwaiger ebenso: „Unser Ansatz ist es, die sensibelsten Zonen ernsthaft mit Aufklärung, Beschilderung und Sperrzonen zu schützen. Aber das gesamte Gebiet abseits der Pisten sperren zu wollen, das ist unrealistisch.“ Auch Burgstaller spricht sich gegen einen „Tafeldschungel“, wie er ihn nennt, aus und berichtet von einem weiteren Best-Practice-Beispiel im Raurisertal: „Die Route auf den Ritterkopf ist begehrt bei Skitourengehern. Dort haben wir Pfeile aufgestellt und beschrieben: ‚bitte geht ́s rechts hinauf, dann stört ihr die Rotwildfütterung nicht‘. Gleiches haben wir bei der Abfahrtsroute gemacht und es wurde generell gut angenommen.“ Die Abwägung, wo sperrt man ab und wo klärt man erst einmal auf, ist aber stets eine diffizile. „Leider“, gibt Burgstaller zu be-denken, „gibt es auch Jäger, die sagen ‚ich will da keinen drin haben, deshalb stell ich Verbots-tafeln auf‘.“ Sein Appell lautet daher: „Bitte macht das nicht, dadurch verliert die Jägerschaft an Glaubwürdigkeit!“  Was hingegen mehr Sinn mache als Verbote aufzustellen und auf Konfrontation zu gehen, sei ein ruhiges Ansprechen, Informieren, aber auch das Bestärken richtigen Verhaltens. „Mich hat einmal eine Dame angerufen, die sich sehr darüber gefreut hat, dass sie ein Jäger angesprochen und sich bei ihr bedankt habe, weil sie ihren Hund an der Leine führe“, berichtet Burgstaller und rät weiters, „man kann auch Leuten, die sich nicht richtig verhalten einen Folder von Respektiere deine Grenzen mitgeben. 

Dann merken sie auch gleich, dass das nicht eine persönliche Meinung vom Jäger ist, sondern dass das Land das unterstützt.“ Eine ähnlich niederschwellige Infokampagne denkt auch Schwaiger für die kommende Skisaison an. „Auch wenn etwa Schulskikursgruppen sehr auto-nom sind, können wir ihnen Infomaterial bei der Kartenausgabe mitgeben“, so der Marketingfachmann. Da das Budget von Respektiere deine Grenzen nur klein, multimediale Aufklärung aber sehr kostenintensiv ist, ist Burgstaller froh über die gute Zusammenarbeit mit den Tourismusverbänden, aber auch Einzelbetrieben wie den Saalbacher Bergbahnen. „Der Tourismus ist der wichtigste Partner für uns und engagiert sich auch sehr in der Lenkung der Besucher“, so Burgstaller. „Man kann durch die Zusammenarbeit mehr Leute erreichen“, ergänzt Schwaiger und führt weiters aus: „Wir alleine erreichen über unsere Websites und unsere Social-Media-Auftritte Millionen!“ 

Was aber weiterhin Probleme bereitet, sind diverse Routenplanerwebsites, auf denen Nutzer ihre eigenen Routen erstellen können. „Den Alpenverein muss ich aber lobend herausnehmen“, unterstreicht Burgstaller, „er stellt auf seiner Website keine Routen ein, die durch Schutzzonen gehen. 

Bei anderen Plattformen zur Tourenplanung sieht das leider anders aus.“ Wie dem aber beizukommen ist, darüber herrscht noch Unklarheit. Fest steht, dass mit einem Jahresbudget von 20.000 Euro Respektiere deine Grenzen nicht die Kapazitäten hat, diese Plattformen ständig auf neue, für Wildtiere schädliche Routen zu untersuchen. Für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Aufklärungsarbeit setzt Respektiere deine Grenzen auch schon bei den Jüngsten an. Häufig in Gemeinschaftsprojekten, etwa zusammen mit der fahrenden Wildschule der Salzburger Jägerschaft sowie dem Alpenverein, wird in Schulen Bewusstseinsbildung für die Wildtierlebensräume der direkten Umgebung betrieben. Aber auch Wald- und Jagdpädagogen und die einzelnen Jäger im eigenen Revier leisten stets wichtige Lobbyarbeit für unsere heimischen Wildtiere, damit auch sie gut durch den Winter kommen. 

TEXT: Eva Weiler 

FOTOS: Christoph Burgstaller