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Seit nunmehr über 150 Jahren ist der Name Sodia untrennbar mit der Jagd verbunden. Ihren Ausgang nahm diese Geschichte im Jahr 1869, als der junge Schlosser Anton Sodia (1846 – 1906) von seinem Heimatort Wochein Feistritz gen Norden nach Unterferlach aufbrach. Etwa 70 Kilometer und die Julischen Alpen liegen zwischen den beiden Orten. Mittlerweile würde man bei dieser Reise eine EU-Innengrenze passieren müssen, denn seit 1918, nach dem Zerfall der Donaumonarchie, liegt Wochein Feistritz in Slowenien, nur unweit des Nationalparks Triglav, und heißt offiziell Bohinjska Bistrica.

Anton Sodia ließ sich mit seiner Frau in Unterferlach nieder und richtete sich im Haus seines Schwiegervaters Valentin Suklitsch eine kleine Schlosserwerkstätte ein. In dieser fertigte Anton Sodia ab 1870 kleine Gebrauchsgegenstände, wie etwa Waagen. Die Ausstellung von Konzessionen für das Büchsenmacherhandwerk, das in Ferlach allgegenwärtig war, unterlag der strengen Aufsicht der hiesigen Büchsenmacherinnung, die einen großen Einfluss auf das wirtschaftliche Treiben des Ortes ausübte. Urkundlich lässt sich dieses Handwerk in Ferlach bis etwa 1550 zurückverfolgen. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden dort hauptsächlich Kriegsgeräte und -Waffen, danach wandte man sich dem Bau von Jagdwaffen zu. Das traditionelle Büchsenmacherhandwerk wurde 2010 in die Liste der immateriellen Kulturgüter der UNESCO aufgenommen.

Im Lauf der Zeit wandte sich auch Anton Sodia mehr und mehr dem Büchsenmacherhandwerk zu. Wann er aber seine erste Büchse baute, lässt sich nicht zweifelsfrei bestimmen. Als im Jahr 1884/85 eine Genossenschaft ins Leben gerufen wurde, dürfte sich Anton Sodia in der Ferlacher Büchsenmacher-Landschaft aber schon einen Namen gemacht haben und war von Beginn an bei diesem Unterfangen involviert. Auf der Einladungsliste zur konstituierenden Sitzung wurde sein Gewerbe bereits mit „Büchsenmacher“ angegeben. Auch bei den ersten gemeinsamen Investitionen, 1887 wurde etwa ein Maschinenhaus in Ferlach errichtet, beteiligte sich Anton Sodia finanziell.

Neben dem beruflichen Fußfassen wurde Anton Sodia und seiner Frau auch das Familienglück zuteil. Gemeinsam hatten sie sechs Kinder, drei Mädchen und drei Buben. Wie es in dieser Zeit üblich war, traten die Söhne – Franz, Anton jr. und Gottfried – allesamt in die Fußstapfen des Vaters. Im väterlichen Betrieb erlernten sie das Handwerk des Büchsenmachens und sammelten die ersten praktischen Erfahrungen. Der älteste Sohn Franz war ab 1892 als Gehilfe im Betrieb tätig und absolvierte daneben die Fachschule für Gewehrindustrie. Aus dieser ging 1963 die HTBLVA Ferlach hervor, deren Schwerpunkt nach wie vor die Waffentechnik ist.


Franz Sodia (1871 – 1935) war es auch, der sich spätestens 1901 als Büchsenmacher in Ferlach selbstständig machte. 30 Jahre nachdem sein Vater Anton nach Unterferlach zuzog, erhielt Franz Sodia seine Konzession zum Herstellen von Büchsen. In Zeitungsannoncen (ab 1904) warb er damit „federleichte Schrotgewehre und Drillinge“ bei „coulantester Bedienung“ feilzubieten.



Es war ungewöhnlich für die damalige Zeit, dass ausgerechnet der älteste Sohn den väterlichen Betrieb verließ, um eigene Wege zu gehen. Gleichzeitig wurde von Franz Sodia so aber auch die Basis für den weiteren Erfolg und die Bekanntheit des Namens Sodia, wie wir ihn heute kennen, als auch für die Ferlacher Gewehrindustrie im Allgemeinen, gelegt. Archivalien belegen, dass sich Franz Sodia in vielerlei Hinsicht für die Interessen der örtlichen Büchsenmacher einsetzte. Etwa in einem Fachausschuss, der der Fachschule beratend zur Seite stand oder als engagiertes Mitglied der Genossenschaft. In dieser Funktion scheute er auch keine Konfrontationen, etwa als er und mehrere Büchsenmacherkollegen 1915 bei der Klagenfurter Bezirkshauptmannschaft vorstellig wurden, um über eine geplante Abgabenerhöhung zu debattieren. 1918 wurde Franz Sodias langjähriger Einsatz für die Genossenschaft gewürdigt, indem er zu einem von drei Kommissaren bestellt wurde.

Die weitere Familien- und Firmengeschichte ist geprägt von einem steten Aufschwung und einer laufenden Ausweitung bzw. Verbesserungen der Produktion. Franz Sodia erkannte früh, dass es besonders effektiv ist, Mitarbeiter für einzelne Arbeitsschritte zu spezialisieren. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 80 Mitarbeiter angestellt, die in dieser modernen arbeitsteiligen Art und Weise produzierten. Die Rationalisierungsmaßnahmen lassen sich an 60.000 Schuss Einschussmunition ablesen, die pro Jahr verbraucht wurde, oder daran, dass stets bis zu 1.000 Gewehre vorrätig waren. Damit konnte man schnell und unkompliziert einen immer größer werdenden Kundenkreis bedienen.

Die 30er-Jahre waren von weiteren nachhaltigen Umbrüchen gekennzeichnet. Ab 1931 führte der Sohn von Franz Sodia, wiederum ein Franz (1910 – 1982), die Geschicke der Firma und war darauf bedacht, die Produktion so weit wie möglich autark bestreiten zu können. Aus diesem Grund und um nicht mehr von der genossenschaftlichen Maschinenhalle und den Halbfabrikaten abhängig zu sein, baute Franz Sodia ab 1934 eine eigene Werkstätte auf, in der alle nötigen Arbeitsschritte erledigt werden konnten. Die dazu benötigten Maschinen, wie Drehbänke, Laufbohr- und Fräsmaschinen, bezog er aus Beständen des Wiener Arsenals. Franz Sodia und seinen Mitarbeitern war es nun möglich, Büchsen komplett in Eigenregie herzustellen. Die Transformation zu einem modernen Industriebetrieb war nun endgültig abgeschlossen.

Während des Zweiten Weltkriegs kam die gesamte Ferlacher Büchsenproduktion zum Erliegen und die Betriebe wurden zur Rüstungsproduktion angehalten. Hauptsächlich Bauteile für Flugzeuge und mechanische Messinstrumente wurden in dieser Zeit im Süden von Kärnten hergestellt. Es war dann auch ein britischer Standortkommandant, selbst ein begeisterter Jäger, der 1945 die Erlaubnis, die Produktion von Schrotgewehren wieder aufzunehmen, erteilte. Ein britischer Offizier war daraufhin der erste Kunde von Franz Sodia und nahm Ende Juli 1945 die erste Flinte nach dem Weltkrieg entgegen. Ab 1948 verließen auch wieder Büchsen die Fabrikhallen.

Franz Sodia und sein Betrieb konnten vom Phänomen des „Wirtschaftswunders“ vollends profitieren. Anfang der 1950er-Jahre wurden zwei weitere Maschinenhallen errichtet und der allgegenwärtige Aufschwung machte auch vor der Ferlacher Bevölkerung nicht halt, von der bald 120 Personen bei Franz Sodia angestellt waren. Zusätzlich konnte auch noch eine Lehrwerkstätte eingerichtet werden. Die Kunden von Sodia kamen vorwiegend aus dem damaligen Westdeutschland. In der Hochphase – Mitte der 1970er – gingen bis zu 75% der Produktion in den Export.
In dieser Zeit des Aufschwungs liegen auch die Wurzeln für die Firma Sodia, wie wir sie heute kennen. Franz Sodia entschloss sich nämlich ob der soliden wirtschaftlichen Situation zu expandieren und errichtete zwei Zweigstellen: 1961 in Salzburg und 1971 in St. Pölten, die ab 1974 von den Söhnen im Eigentum weitergeführt wurden. Der älteste Sohn, Franz III, blieb in Ferlach, Klaus Sodia ging in die niederösterreichische Landeshauptstadt und Werner sen. nach Salzburg.

Hier in Salzburg führt nun Reinhold Sodia, der Urenkel von Franz Sodia, seit 1989 gemeinsam mit seiner Frau Nadine die Geschicke des Unternehmens, das sich seitdem auf den Vertrieb von Büchsen, Flinten, Jagdausrüstung sowie Outdoor-Bekleidung spezialisiert hat. Seit nunmehr über 150 Jahren steht der Namen Sodia für Qualität und das Ziel, verantwortungsvoll vorwärtszudenken. Was die Zukunft bringt, kann man naturgemäß nicht vorhersehen, dass aber die Töchter von Reinhold und Nadine – Franziska und Antonia – die traditionellen Familiennamen weitertragen, darf wohl als ein gutes Omen gedeutet werden.

Text: David Mehlhart

Fotos & Illustrationen: aus dem Sodia-Familienarchiv