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Interessante Lektüre ist zeitlos. Deshalb und weil die grauen Herbsttage besonders dazu einladen, sich mit Lesestoff einzudecken, stellen wir euch Neuerscheinungen, aber auch Klassiker vor, die es (wieder-) zu entdecken gilt.

Robert Churchills „Das Flintenschießen“ – 1962 erstmals auf Deutsch erschienen – ist heute nur mehr antiquarisch erhältlich, in vielen jagdlich sortierten Bücherregalen aber schon vorhanden. Warum sich der Blick ins Buch trotz seines hohen Alters dennoch lohnt, hat mehrerlei Gründe. Einerseits ist es eine fundierte Auffrischung für alle Flintenschützen, denen besonders das Kapitel 2 „Die Grundstellung ‚Fertig zum Schuss‘“ ans Herz gelegt sei, denn schnell schleicht sich der Schlendrian in die Haltung ein, andererseits ist die Übersetzung von Robert von Benda höchst gelungen und transportiert den charmant britischen Witz Churchills ungekünstelt ins Deutsche. Beispielhaft dafür sei die Passage über das Lernen und besonders die dafür notwendige Wiederholung, bei der sich der Autor zu folgender Stellungnahme hinreißen lässt: „Ich scheue mich nicht im geringsten davor zurück, mich zu wiederholen, weil die Wiederholung das Geheimnis jeder Ausbildung ist. Ich bilde mir gerne ein, daß sich mancher draußen auf der Jagd gelegentlich an einen Satz aus diesem Buch erinnert – und daß irgendein Satz aus diesem Buch genügen könnte, ihn wieder in Form zu bringen, wenn er niedergeschlagen meint, nicht einmal mehr ein Scheunentor treffen zu können.“

Seiner Zeit voraus zu sein scheint Churchill, der ein eigenes Kapitel den Flintenschützinnen und ihren anderen anatomischen Voraussetzungen sowie den dadurch abzuändernden Techniken widmet. Dabei stellt er ermutigend fest: „Geben sie sich die Mühe, es zu lernen, so können Frauen genauso gut schießen wie Männer“, was revolutionär anmutet, bedenkt man, dass erst 10 Jahre nach seinem Tod auch Frauen zu den olympischen Bewerben im Schießsport zugelassen wurden, wobei diese bereits seit 1896 olympisch waren.


Natürlich bleibt Churchill aber auch ein Kind seiner Zeit, was in den Abbildungen in Form eines karierten Tweedanzugs mit passender Schiebermütze und kniehohen, in Kontrastfarben karierten Socken optisch hervortritt sowie bei der Empfehlung im Winter „mittags nur einen Schnaps und ein Butterbrot zu sich zu nehmen“, um den kurzen Jagdtag vollends auszunutzen, auch im Geschriebenen hervorblitzt. Auch die damaligen Sicherheitsstandards mögen den heutigen Leser verwundern, besonders wenn Churchill nicht ohne Stolz feststellt: „Ich habe wahrscheinlich mehr Patronen verfeuert als irgendein anderer noch lebender Mensch, bin aber trotzdem nur einmal schwerer angeschossen und einige Male leicht angekratzt worden“. Umso mehr sollte man sich seine Empfehlung: „Je besser die jagdlichen Manieren sind, umso sicherer ist das Jagen“, noch heute zu Herzen nehmen und diesen Klassiker der Schießliteratur zur Auffrischung eben jener regelmäßig lesen!

Text: Eva Weiler