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Manche Wildtierarten haben keine gute Presse und einige sind gar Gegenstand von Hass und Empörung. Wie man aktiv gegen solche Empfindungen ankämpfen kann, das haben wir mit Moraltheologen Univ.-Prof. Dr. Michael Rosenberger von der Katholischen Privat-Universität Linz besprechen dürfen. 

Seit heuer geben Sie zusammen mit Univ.-Prof. Dr. Herwig Grimm von der Universität Wien eine neue Reihe zur Tierethik heraus. Warum gerade jetzt? 

Die Zeit war reif für diese Reihe. Noch vor 10 Jahren beschäftigte sich nur eine kleine Minderheit in der Forschung mit Fragen der Tierethik. In den letzten Jahren ist das Thema aber immer mehr in die Breite gegangen, haben sich immer mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen dafür zu interessieren begonnen. Unsere Reihe ist interdisziplinär angelegt und wir wären sehr daran interessiert, wenn sich darunter etwa auch einmal ein Band zur Jagdethik finden würde! 

Stichwort Geschriebenes: Man liest in den Zeitungen, aber vor allem in den neuen sozialen Medien und unkuratierten Onlineforen von „Wildschweinbekämpfung“ und „Krähenvertilgung“. Ist das nur Effekthascherei oder steckt da mehr dahinter? 

Ich glaube, Sprache verrät ein Stück weit eine Grundhaltung, die man hat. Und wenn man vom „Vertilgen“ spricht, geht es um ein völliges Ausrotten. Das Individuum, das Subjekt des Tieres wird dabei unsichtbar gemacht. Es wird nicht mehr als eigenständiges Gegenüber wahrgenommen, sondern als etwas, das schädlich ist und das es auszumerzen gilt. Ja, da muss man schon auf die Sprache achten und genau auf die Art und Weise schauen, wie wir über Tiere sprechen. Das sollte mit dem nötigen Respekt und der nötigen Sensibilität geschehen. Egal, ob es um Beutetiere oder Beutegreifer geht. 

Nur, wie bringt man unsere Alltagsmoral, in der das Schreddern von männlichen Küken und das Schnitzel aus Massentierhaltung, wenn schon nicht gutgeheißen, zumindest aber hingenommen wird, in Einklang mit dieser Forderung nach Respekt und Sensibilität jedem Tier gegenüber? 

Es ist sicher nicht zu leugnen, dass wir im europäischen Kontext seit zweieinhalbtausend Jahren eine stark anthropozentrische Ethik tradiert haben, wenn es auch immer Minderheiten gegeben hat, die dagegen gearbeitet haben, und das nicht ohne Erfolg. Neben diesen Kräften hat es aber auch immer die natürliche Intuition gegeben, die uns sagt, dass das Tier ein eigenständiges Lebewesen ist. Der Jäger ist ja im Gegensatz zum Konsumenten grundsätzlich ganz nahe am Tier dran und spürt diese Intuition. Er beobachtet die spezifischen Verhaltensweisen der einzelnen Tiere, oft hat er überhaupt nur die Fährte des Tieres, der er folgen muss, sich also in das Tier hineinversetzen muss. Das ist schon eine Menge an Kontakt mit dem individuellen Tier, der eine gewisse Intuition auslöst, dass das Tier eben keine Sache, sondern ein lebendes Wesen, ein eigenständiges Gegenüber ist. 

Wie sieht es mit Abschussplänen aus, die es einzuhalten gilt, die aber manch-mal einfach unschaffbar erscheinen? 

Wir müssen verantwortungsbewusst Bestände regulieren, das steht außer Frage. Wir Menschen leben in Ökosystemen und verändern sie, dadurch kommen Balancen aus dem Gleichgewicht, die vorher ohne den Menschen gut funktioniert haben. Das versucht ja eine verantwortungsbewusste, nachhaltige Jagd wieder auszugleichen. Dabei überlagern aber teils systemische Aspekte die Frage der Individuen. 

 Zum Beispiel? 

Manchmal werden Dinge erlaubt, die wir aus tierethischen Gründen eigentlich nicht wollen, aber eben zumindest auf Zeit dulden. Etwa bei der Populationskontrolle der Wildschweine, wo die Nachtjagd in manchen Regionen besonders hoher Bestände erlaubt ist. Wobei man da auch einmal fragen müsste: warum vermehren sich die Schweine überhaupt so arg? Wir müssen schon auch darauf schauen, wo wir als Gesellschaft unsere Gewohnheiten anpassen müssen, damit solche Arten nicht überhandnehmen, und nicht nur die Verantwortung an die Jäger abgeben! 

 Da wäre auch die Politik gefordert? 

 Natürlich, letztlich muss das politisch geklärt werden, muss eine Strategie entwickelt werden, wie man wieder in eine geregelte Balance kommen kann. Dabei muss jeder bereit sein, seinen Beitrag zu leisten, nicht nur das Schwarzwild. Aber so weit sind wir noch gar nicht. Noch scheint das Thema Wildschweinpopulationskontrolle der Politik eher lästig. 

Was kann aber der einzelne Jäger tun, um dem Wild – egal ob Raubwild, Wildschwein oder Kapitalhirsch – stets weidmännisch zu begegnen? Könnten uns da adaptierte Traditionen helfen, indem man etwa jedem erlegten Tier einen Letzten Bissen zugesteht? 

Das könnte ich mir durchaus vorstellen. Als Theologe würdige und bejahe ich Rituale, wenn sie dem entsprechen, was wir an ethischen Vorstellungen verinnerlicht haben. Der Letzte Bissen ist ja so ein Ritual des Respekts vor dem geschossenen Beutetier, und da würde ich schon sagen, dass es eine Bewusstseinsveränderung bedeuten könnte, auch dem Fuchs oder der Krähe einen solchen zukommen zu lassen. Oder auch andere Rituale, wie die berühmte Zigarettenlänge, die man wartet, bevor man zum erlegten Tier geht, oder dass man nicht über es drübersteigt. Das sind alles solche Rituale des Respekts und der Ehrfurcht, die bei konsequenter Durchführung bei jedem erlegten Tier zu einer guten und weidgerechten Jagd führen können.

INTERVIEW: Michael Rosenberger, Eva Weiler 

FOTO: Suzy Stöckl 

Tipp: Wem der Eigengeschmack von Keiler oder Bache etwas zu herb ist, braucht dennoch nicht auf ihren Genuss verzichten: das Fleisch einfach einen Tag in Buttermilch einlegen! 


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