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Der Akita 

 Ein würdevoller Jäger mit japanischen Wurzeln

Kraftvoll, wachsam und von beeindruckender Ruhe: Der Akita ist weit mehr als ein imposanter japanischer Begleithund. In seinem Wesen steckt noch heute der selbstständige Jäger aus den Bergwäldern Nordjapans. Doch die Geschichte dieser Rasse ist zugleich eine Geschichte von Verdrängung, beinahe vollständigem Verlust und einer bemerkenswerten Rückkehr zu den eigenen Wurzeln. Wer einem Akita begegnet, sieht zunächst einen Hund, der wenig Aufhebens um sich macht. Er steht da, ruhig, aufmerksam, mit kleinen dunklen Augen und den charakteristischen dreieckigen Stehohren. Die Rute liegt kräftig über dem Rücken, das dichte Fell lässt ihn selbst bei schlechtem Wetter unbeeindruckt wirken. Nichts an diesem Hund wirkt erscheint hektisch. Und Doch genau diese Ruhe kann täuschen. Denn hinter der würdevollen Fassade steckt ein Hund, der über Jahrhunderte darauf selektiert wurde, selbstständig zu arbeiten. Ein Hund, der Entscheidungen treffen musste, während sein Mensch möglicherweise gar nicht sehen konnte, was vor ihm im Bergwald geschah. Ein Hund, der nicht dafür gezüchtet wurde, jeden Befehl möglichst schnell und begeistert auszuführen. Der Akita ist heute offiziell ein Begleit- und Familienhund. Die FCI führt ihn in Gruppe 5, „Spitze und Hunde vom Urtyp“ (, Sektion 5), und ausdrücklich ohne Arbeitsprüfung. Rüden erreichen laut VDH im Mittel 67 Zentimeter Widerristhöhe, Hündinnen 61 Zentimeter, jeweils mit einer Toleranz von drei Zentimetern. Seine Vergangenheit.

Wo der Bärenjäger zu Hause war

Die Geschichte des Akita beginnt in den Bergregionen des nord Wo der Bärenjäger zu Hause war japanischen Tōhoku. In der heutigen Präfektur Akita lebten die Matagi, traditionelle Jäger, die seit Jahrhunderten in den schwer zugänglichen Bergwäldern unterwegs waren. Zu ihnen gehörten Hunde, die als „Matagi-Inu“ bezeichnet wurden. Diese mittelgroßen, spitzartigen Jagdhunde mit Stehohren und eingerollter Rute gelten als wichtige Vorfahren des heutigen Akita. Die Matagi setzten sie ein, um Bären, Wildschweine und Hirsche aufzuspüren und zu stellen. Gerade die Bärenjagd macht die historische Aufgabe dieser Hunde so interessant. Der Matagi-Inu war kein Vorstehhund, der regungslos auf den Jäger wartete. Er war auch kein klassischer Apportierhund und kein Hund, der ausschließlich auf kurze Distanz unter permanenter Führerkontrolle arbeitete. In den unübersichtlichen Bergwäldern musste er seine Nase einsetzen, Wild finden, dessen Bewegungen einschätzen und es stellen. Dafür waren Selbstsicherheit, Mut, Reaktionsfähigkeit und die Fähigkeit zu eigenständigen Entscheidungen entscheidendausschlaggebend. Der Japan Akita  e.V. nennt genau diese Eigenschaften als wesentliche Voraussetzungen des historischen Matagi-Inu. Und Ddieseas ist sind möglicherweise auch der Schlüssel zum Verständnis des modernen Akita. Denn manche seiner Eigenschaften, die heute als „eigensinnig“ oder „stur“ beschrieben werden, waren für einen solchen Jagdhund keine Schwäche. Sie waren die Voraussetzung dafür, seine Aufgabe überhaupt erfüllen zu können.

Ein Jäger, der selbst entscheiden musste

Wer mit klassischen europäischen Jagdhunden arbeitet, kennt die enge Zusammenarbeit zwischen Hund und Führer. Je nach Rasse wird über Gen Ein Jäger, der selbst entscheiden musste erationen auf Führigkeit, Kooperation und eine sehr präzise Abstimmung mit dem Menschen selektiert. Beim historischen Akita lag der Schwerpunkt teilweise anders. Ein Matagi und sein Hund arbeiteten als Gespann, aber der Hund musste im entscheidenden Moment selbstständig handeln können. Wenn der Hunder im dichten Wald eine Spur aufnahm oder einen Bären stellte, konnte der Führer nicht zwangsläufig jeden Schritt kontrollieren. Das verlangte einen Hund, der Situationen einschätzen und Entscheidungen treffen konnte. Diese Arbeitsweise erklärt viel von dem, was Akita-Halter heute erleben. Der Akita ist intelligent, aber seine Intelligenz äußert sich nicht unbedingt in blindem Gehorsam. Der Japan Akita  e.V. beschreibt ihn als selbstbewusst, eigenständig bis eigensinnig, mutig und mit hoher Problemlösungskompetenz. Der VDH hebt ebenfalls Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit als rassetypische Eigenschaften hervor. Oder, etwas weniger kynologisch formuliert: Der Akita möchte nicht nur wissen, was er tun soll. Er scheint gelegentlich auch wissen zu wollen, warum er etwas tun soll. Für den ursprünglichen Jäger war das eine Stärke, f. Für den modernen Hundehalter kann es eine Herausforderung sein.

Vom Jagdhund zum Wachhund

Der Akita blieb allerdings nicht über Jahrhunderte unverändert „nur“ der Hund der M Vom Jagdhund zum Wachhund atagi. Mit den gesellschaftlichen Veränderungen Japans änderte sich auch seine Verwendung. In der Akita-Region wurden die ursprünglich mittelgroßen Jagdhunde zunehmend größer und kräftiger gezüchtet, unter anderem für Wach- und Schutzaufgaben. Besonders wohlhabendere Bevölkerungsschichten nutzten sie zum Schutz von Besitz und Häusern. Damit begann eine Entwicklung, die den Hund zeitweise weit von seinem jagdlichen Ursprung entfernte. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden Hundekämpfe in Japan populär. Um größere und kräftigere Hunde zu erhalten, wurden die einheimischen Akita-Hunde mit verschiedenen ausländischen Rassen gekreuzt. Eine wichtige Rolle spielte dabei der Tosa-Kampfhund, in dessen Entstehung wiederum verschiedene europäische Rassen wie Mastiffs, Doggen und weitere Molosser sowie Terrier eingeflossen waren. Das Ergebnis war ein Hund, der mit dem ursprünglichen Matagi-Inu äußerlich kaum noch viel gemeinsam hatte. Schwere Köpfe, lockere Haut, Hängeohren und andere Merkmale fremder Rassen traten hervor. Aus dem ursprünglichen japanischen Jagdhund war teilweise ein kräftiger Kampfhund geworden. Und genau hier beginnt eine der bemerkenswertesten Geschichten der Rasse.

Die Rückkehr zum japanischen Hund

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wuchs in Japan das Bewusstsein dafür, dass mit dieser Entwicklung ein Stück des einheimischen Hundetyps verloren ging. Züchter, Wissenschaftler und Liebhaber begannen, sich für die Erhaltung des ursprünglichen japanischen Hundes einzusetzen. Man wollte den Akita wieder näher an seine ursprüngliche Form bringen. Dazu wurden unter anderem Hunde aus den abgelegenen Matagi-Gebieten in die Zucht einbezogen. Die Rückbesinnung auf den japanischen Typ war allerdings kein einfacher Vorgang, sondern ein langwieriger Zuchtprozess. 1927 entstand in Ōdate die Akitainu Hozonkai, kurz AKIHO, die bis heute eine der wichtigsten Organisationen für die Erhaltung des japanischen Akita ist. Doch dann kam der Krieg. Fast verschwunden Der Zweite Weltkrieg wurde für die Rasse zu einer existenziellen Bedrohung. In Japan wurden Hunde beschlagnahmt beziehungsweise getötet, wenn sie nicht für militärische Zwecke benötigt wurden. Das dichte Fell des Akita machte ihn zusätzlich interessant für die Gewinnung von textilem Material. Deutsche Schäferhunde waren als Militärhunde von solchen Maßnahmen teilweise ausgenommen. Einige Besitzer versuchten deshalb, ihre Akita durch Kreuzungen mit Deutschen Schäferhunden zu retten. Andere brachten ihre Hunde in abgelegene Bergregionen, wo sie vor den staatlichen Maßnahmen sicherer waren. Nach dem Krieg war die Lage dramatisch. Die überlebenden Hunde gehörten unterschiedlichen Typen an: Matagi-Akita, Hunde Tiere aus der Kampfhundezucht und Hunde mit Einfluss des Deutschen Schäferhundes. Die Rasse war in ihrem Erscheinungsbild und in ihrer Zuchtgeschichte stark aufgesplittert. Engagierte Züchter machten sich daran, daraus wieder den japanischen Akita zu formen. Ein Name steht dabei besonders für diese Zeit: Morie Sawataishi. Der Ingenieur sammelte nach dem Krieg Akita und widmete sich mit großer Konsequenz ihrem Erhalt. Zusammen mit anderen Züchtern half er, die kleine Population wieder aufzubauen. Die Rückzüchtung war allerdings kein einfacher Schritt zurück. Es mussten Linien miteinander kombiniert werden, und nicht jede Linie entsprach dem japanischen Ideal. Gerade die Dewa-Linie, die unter anderem den Einfluss von Deutschen Schäferhunden und Tosa-Abstammungen trug, wurde in den USA sehr populär. Japanische Züchter arbeiteten dagegen gezielt daran, den ursprünglichen Spitztyp wieder herauszuarbeiten.

Deshalb gibt es heute zwei Akita

Aus dieser unterschiedlichen Entwicklung entstanden schließlich zwei Rassen. Der Japanische Akita beziehungsweise Akita Inu wurde in Japan konsequent auf den dort gewünschten ursprünglichen Typ zurückgeführt. In den USA entwickelte sich dagegen aus den dort beliebten Nachkriegslinien der American Akita, ein kräftigerer und anders proportionierter Hund. Die FCI führt beide heute als eigenständige Rassen. Die Trennung erfolgte 1999. Für den jagdlich interessierten Leser ist diese Unterscheidung durchaus wichtig. Denn wWenn heute vom „Akita“ gesprochen wird, ist nicht automatisch derselbe Hund gemeint. Geschichte, Erscheinungsbild und Zuchtziele haben sich auseinanderentwickelt.

Was vom Jäger geblieben ist

Und nun wird es für den Jäger besonders interessant. Der moderne Akita geht zwar nicht mehr regelmäßig mit seinem Besitzer auf Bärenjagd, s. Seine historische Aufgabe ist aber in seinem Verhalten noch deutlich zu erkennen. Der Japan Akita  e.V. beschreibt bei vielen Hunden weiterhin eine ausgeprägte Jagdleidenschaft und empfiehlt deshalb Beschäftigungen, die Nase und Kopf fordern – etwa Suchspiele, Fährtenarbeit, Stoffidentifikation oder Mantrailing. Auch der heutige Japanese Akitainu wird als Hund mit hohem Beutefangverhalten beschrieben. Gleichzeitig kann er gegenüber anderen Hunden, insbesondere gleichgeschlechtlichen Tieren, problematisch reagieren. Der American Kennel Club weist deshalb auf eine frühe und konsequente Sozialisierung hin. Das macht ihn für klassische Gesellschaftsjagden nicht gerade zum Kandidaten erster Wahl. Ein Hund, der unabhängig arbeitet, starkes Jagdverhalten zeigen kann und gegenüber Artgenossen nicht zwangsläufig unkompliziert ist, bringt für eine moderne Jagdgesellschaft einige Schwierigkeiten mit. Hinzu kommt: Die FCI führt den Akita heute ausdrücklich ohne Arbeitsprüfung. Er wird also nicht auf eine definierte jagdliche Leistung hin selektiert, wie das bei zahlreichen europäischen Jagdhunderassen der Fall ist. Das bedeutet nicht, dass der Akita keine jagdlichen Anlagen besitzt. Es bedeutet vielmehr, dass jagdliche Vergangenheit und heutige jagdliche Verwendung zwei verschiedene Dinge sind.

Ein Hund mit Individualdistanz

Wer einen Akita halten möchte, sollte deshalb verstehen, dass Loyalität bei dieser Rasse nicht zwangsläufig mit überschwänglicher Anhänglichkeit gleichzusetzen ist. Der Akita kann eine ausgesprochen enge Bindung zu seinen Menschen entwickeln. Gleichzeitig wahrt er häufig eine gewisse Distanz. Fremde werden nicht automatisch als Freunde betrachtet, und seine natürliche Wachsamkeit gehört zum rassetypischen Verhaltensspektrum. Für den Jäger ist besonders das Verhalten gegenüber anderen Hunden relevant. Der Akita kann gegenüber Artgenossen, insbesondere gegenüber gleichgeschlechtlichen Hunden, intolerant oder aggressiv reagieren. Das ist kein Detail, das man bei der Auswahl eines Hundes für eine jagdliche Umgebung übergehen sollte. Eine konsequente, ruhige und früh einsetzende Sozialisierung ist deshalb wichtig. Dabei sollte „Kkonsequenzt“ nicht mit Härte verwechselt werden. Ein Hund mit dieser Eigenständigkeit lässt sich nicht sinnvoll über Druck führen. Wer seine Geschichte versteht, wird auch seine Erziehung anders betrachten: Nicht der Versuch, jeden selbstständigen Gedanken zu unterdrücken, führt zum guten Akita, sondern eine klare Führung, verlässliche Grenzen und eine Beschäftigung, die seinen Kopf tatsächlich fordert.


Was ein Jäger vom Akita lernen kann

Vielleicht liegt gerade darin der besondere Reiz dieser Rasse. Der Akita erinnert daran, dass Jagdhund nicht zwangsläufig gleichbedeutend mit Unterordnung . Es gibt Hunde, deren Aufgabe darin besteht, möglichst exakt auf die Anweisung des Menschen zu reagieren. Und es gibt Hunde, deren Aufgabe darin bestand, in einer unübersichtlichen Situation selbst eine Entscheidung zu treffen. Der Matagi-Inu gehörte zur zweiten Kategorie. Sein Erbe steckt heute noch im Akita: in der Ruhe, in der Aufmerksamkeit, im Mut und in dieser manchmal verblüffenden Fähigkeit, sich nicht sofort aus der Ruhe bringen zu lassen. Aber auch im Jagdtrieb, in der Individualdistanz und in der Bereitschaft, Dinge selbst zu beurteilen. Das macht ihn nicht zum besseren Jagdhund – e. Es macht ihn zu einem anderen Hund.

Eine Rasse, die ihre Geschichte trägt

IHeute begegnet man dem Akita vor allem als Familien- und Begleithund. Die FCI hat seine aktuelle Verwendung längst entsprechend eingeordnet. Gleichzeitig gehört die Rasse in Japan zu den besonders geschätzten einheimischen Hunden. ; ihre Erhaltung wurde bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum nationalen Anliegen. Und vielleicht ist genau das die eigentliche Geschichte des Akita:. Nicht die Geschichte eines exotischen Hundes aus Japan. Nicht die Geschichte von Hachikō allein. Und auch nicht die romantische Vorstellung vom „Samurai unter den Hunden“, die in der westlichen Rassegeschichte immer wieder auftaucht und von seriösen japanischen Rassehistorikern kritisch betrachtet wird. Es ist die Geschichte eines Arbeitshundes, dessen ursprüngliche Aufgabe beinahe in Vergessenheit geriet. Ein Hund, der einst mit den Matagi durch die Bergwälder Nordjapans zog. Ein Hund, derund Bären stellte. Ein Hund, der durch Hundekämpfe, Fremdeinkreuzungen und Krieg beinahe verschwand. Und ein Hund, dessen Züchter anschließend Jahrzehnte damit verbrachten, ihn wieder zu dem japanischen Hund zu machen, der er einmal gewesen war. Wer heute einen Akita betrachtet, sieht deshalb nicht nur einen kräftigen Spitz mit eindrucksvoller Rute und dichtem Fell. Man sieht – wenn man genau hinsieht – auch noch etwas von jenem selbstständigen Jäger. Ruhig, w. Wachsam, e. Eigenwillig – u. Und vielleicht gerade deshalb so würdevoll. Der Akita ist kein klassischer Jagdhund mehr, a. Aber der Jäger ist aus ihm noch längst nicht verschwunden.