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Ferlach

Ferlach - die Büchsenmacherstadt

             

Ferlach - die Büchsenmacherstadt

 

Es sind weniger große Namen oder geschichtliche Daten, mit denen Ferlach aufwarten kann, als vielmehr der Weltruhm seiner Arbeit. Rohrhämmer und Schmieden schrieben die Chronik und Jahrhunderte hindurch hat hier ein Handwerk das Antlitz des Lebens geformt. In den Urkunden erscheint Ferlach das erste Mal im Jahre 1246 als kleine Siedlung am hohen Flußraine des Loiblbaches. Die Siedlung war von dichtem Föhrenwald umgeben und man gab ihr den Namen FÖROLACH - heute FERLACH.

Die Siedlung an dieser Stelle wurde erst ermöglicht, als man durch Uferschutzbauten den Lauf des Wildbaches regulierte, was durch die Erbauung der Eisenfabriken im 16. Jahrhundert und durch die Anlage des Wasserkanals, zu deren Betrieb, geschah. Die Urkunden erzählen von Eisen- und Bleigruben in der Umgebung von Ferlach, zum Beispiel im Bärental, im Süd- und Nordabhang des Singerberges, Windisch Bleiberg und Knappengrube, von Stollen in den Hundsdorfer Wäldern, sowie auf der Rauth und vielen anderen. Durch diese im 16. Jahrhundert sich zur Blüte entfaltende Eisenindustrie und Waffenerzeugung hat Ferlach Weltruhm erlangt. Eine entfernte Veranlassung zur Entstehung der Ferlacher Waffenindustrie war die Erhebung von Klagenfurt zur Landeshauptstadt, anstelle von St. Veit. Im Jahre 1558 berief Kaiser Ferdinand aus den Habsburgischen Niederlanden, sowie aus Belgien, vornehmlich aus Lüttich, über 100 Waffenschmiede zur Verfertigung von Gewehren nach Klagenfurt. Der größte Teil dieser Waffenschmiede ließ sich in Ferlach nieder und wurde somit der Begründer der lange Zeit einzigen Waffenindustrie Österreichs.

Der Nation nach waren die eingewanderten Waffenschmiede Valonen oder Flamen, doch dürfte man ihre ursprünglichen Namen verdeutscht haben. Die Begründung dafür ist, dass die Handwerksordnung vom Jahre 1631 vorschreibt, daß die Meister und Gesellen der deutschen Schlossarbeit kundig sein sollen und sich der französischen und walischen enthalten müssen. In der Dialektsprache unterscheidet sich auch der geborene Ferlacher sehrstark von der nächsten Umgebung durch seine eigentümlich singende Tonart. Nach der Ankunft der Waffenschmiede in Ferlach wird in der Urkunde die erste Rohrschmiede genannt, welche im Unterort stand und auf Wasserbetrieb eingestellt war. Wohl sollten die Büchsenmacher Ferlachs schon unter Maximilian II(1576 - 1612) an der Heeresbewaffnung Anteil genommen haben, doch erst unter Kaiser Karl VI (1711 - 1740), der die damals neu erbaute Loiblstraße besichtigte, wurde in Ferlach eine Bajonett- und Ladestockschmiede errichtet, wodurch eine vollständige Belieferung des Heeres erst in Frage gekommen wäre. Aber erst in den Jahren von 1740 - 1780, in der glanzvollen Regierungszeit Maria Theresias, konnte sich Ferlach zu voller Blüte und großem Wohlstand entwickeln, da damals Ferlach das ganze ehemalige große österreichische Heer mit Waffen versorgte. Maria Theresia förderte die Ferlacher Waffenindustrie nach bestem Können. Sie verlieh den Büchsenmachern 300 Meisterrechte, gründete die Büchsenmacherzunft, genehmigte ihre Satzungen und bewilligte auch die Errichtung eines militärisch organisierten Büchsenmachercorps, dem sie eine mit dem Reichsadler geschmückte Fahne schenkte.

Das Büchsenmachercorp wurde 1890 erneuert und behördlich bestätigt. Zwecks übernahme der Militärwaffen Ferlachs in den Heeresbedarf wurde im Jahre 1789 im nahe liegenden Görtschach, im jetzigen Gebäude der Forstvewaltung, ein Waffendepot errichtet, in dem die fertig gestellten Waffen auf Präzision und Materialsicherheit geprüft wurden. Die großen Waffenlieferungen an das österreichische Heer in diesen Jahren betrugen 127.750 Infanteriegewehre, 47.000 Karabiner und 57.000 Kavalleriepistolen. Am 25. September 1807 erwies Kaiser Franz den Büchsenmachern Ferlachs durch einen persönlichen Besuch seine besondere Huld. Während der napoleonischen Zeit erlebte Ferlach seine glänzendste Zeit.In der Zeit von 1800 - 1814 konnte Ferlach nahezu 300.000 Stück mit der Hand erzeugte Feuerwaffen der Armee liefern. Doch mit dem Rosental wurde auch Ferlach einige Male von Franzosen besetzt. In manchen Bravourstücken wurde die Waffenzufuhr an das österreichische Heer weitergeführt und man brachte in dunklen Nächten Wagen voll mit Gewehren zur Drau und schaffte sie mit Flossen nach Marburg, wo sie den österreichischen Heeresstellen übergeben wurden. Nach dem Friedensvertrag trat ein starker Mangel an Militärwaffen ein. Die staatlichen Lieferungen hörten fast ganz auf und es meldete sich nun eine bittere Not in Ferlach.

Die ausländische Waffenindustrie begann, sich maschinell umzustellen. Im Jahre 1824 wurde in Wien ein Arsenal für Militärwaffen eröffnet. 1850 war fast jede Erwerbsquelle für Ferlach versiegt. Ein Jahr später trat der Loiblbach aus seinen Ufern und der größte Teil der Ortschaft stand unter Wasser. 1855 hauste die Cholera unter der Bevölkerung und forderte schwere Opfer.4 Jahre später wurde das Waffenübernahmedepot in Görtschach aufgehoben. Erst nach 1866, nach dem Ausgang des Deutsch-Österreichischen Krieges und nach Umstellung der österreichischen Vorderlader- auf Hinterladergewehre, gab es wieder Arbeit. Im Jahre 1870 belief sich die Produktion schon wieder auf 10.440 Doppel-gewehre, 7.336 einfache Gewehre und 7.068 Pistolen. Die meisten Waffen wurden nach Ungarn und Kroatien, nach Rumänien und Serbien geliefert. In Zeiten der Not waren viele Meister ausgewandert.

Durch die langsame Umstellung der Gewehrfabrikation auf Jagdwaffen und die Auszeichnung der Ferlacher Waffen durch den Kaiser, der diese als die besten in Österreich bezeichnete, besann man sich auch in Ferlach und erwog die Sicherung des Nachwuchses. Zu diesem Zweck wurde nun am 18. November 1878 in Ferlach die erste österreichische Fachschule für Handfeuerwaffen errichtet, der im Jahre 1882 eine Probieranstalt und später eine Schießstätte folgte. Durch alle diese Bemühungen wurde mancher Erfolg erzielt.

Während des 1. Weltkrieges gab es in Ferlach wieder viel Arbeit. Der Großteil der Büchsenmacher war vom Kriegsdienst enthoben und bis tief in die Nacht standen Männer, Frauen und Kinder am Schraubstock. Ihre vaterländische Pflicht erfüllten aber auch diese Daheimgebliebenen im Kärntner Abwehrkampf in den Jahren 1918 - 1920, wo sie gegen den ins Landgefallenen Feind antraten und am 10. Oktober 1920 auch ihre Stimme für Kärnten abgaben.

Auch heute arbeiten die Büchsenmacher wieder in ihren Werkstätten und sind wieder so weit, durch ihre Präzisionsgewehre Weltruf erlangt zu haben. Ferlachs Jagdgewehre werden nach besonderen Wünschen gefertigt und in alle europäischen und überseeländer exportiert. Sie werben nicht nur für Österreich, sondern bringen auch Devisen in das Land und sind ein sicherer Garant dafür, daß Ferlach, die Büchsenmacherstadt, wieder ein Machtfaktor der Gewehrindustrie ist.

 

 
             


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